Mit zwei passionierten Mountainbike-Kollegen ging’s für 2 Tage auf den Mountainbike-Klassiker nördlich von Lugano, die Route Nr. 66 Lugano Bike. 2 Tage auf einsamen Höhen rund um das Val Colla, in vielerlei Hinsicht absechslungsreich, immer wieder auf wunderbaren Singletrails, mal ganz einfach zum Geniessen, mal eine echte Herausforderung.
1. Tag / Lugano – San Lucio
Die Anreise erfolgte von Bern bzw. Olten nach Lugano. Im Cisalpino-Zug konnten wir unsere Bikes problemlos mitnehmen – was leider nicht für alle Cisalpino-Kompositionen behauptet werden kann! Nachdem wir unsere Rucksäcke mit allerlei – essbaren! – Utensilien gefüllt haben und der obligate Espresso getrunken war, ging’s los. Die städtischen Sporttempel Cornaredo (Fussball) und Ressega (Eishockey) passierend war das Siedlungsgebiet von Lugano schon bald verlassen. Kurz darauf erwartete uns ein beschaulicher Abschnitt entlang dem Flüsschen Cassarate, und dies nicht etwa auf einem asphaltierten Weg, sondern auf einem waschechten Singletrail, welcher unsere Mountainbikeherzen ein erstes Mal höher schlagen liess.
Höher schlug das Herz aber bald auch aufgrund der nun einsetzenden Steigungen: Wir standen noch am Anfang der heute insgesamt uns erwartenden 1'400 Höhenmeter. Die südländische Wärme machte sich schon in den ersten Vormittagsstunden bemerkbar, sodass das Bergauffahren nicht nur ein Honigschlecken war. Ab Sonvico, einem authentischen Tessiner Dorf, wurden die Steigungen allmählich angenehmer, die Temperaturen aufgrund der Schatten spendenden Wäldern etwas kühler. Im Weiler Rosone machten wir einen ersten Rast, wohlverdient, in einer lauschigen Waldlichtung. Die Pause konnten wir gut gebrauchen, denn ab Petrolzo wurden die Steigungen wieder ruppiger, machchmal war’s richtig zum Durchbeissen. Dies ging so weiter bis auf den Bergrücken des Albantino, einem ersten landschaftlichen Höhepunkt: Nach ein paar Schritten zu Fuss war der kahle Bergrücken erreicht, und eine traumhafte Aussicht offenbarte sich: Weit bis nach Lugano hinunter, dem Lago di Lugano, dem berühmte Aussichtsberg San Salvatore, sogar die letzten Alpenausläufer in Italien, am Übergang zur Po-Ebene, tauchten am Horizont auf.
Die Capanna Pairolo passierten wir, eine Pause war nun nicht mehr nötig, und bald schon erwartete uns ein faszinierendes Wechselspiel von Steigungen, mal links, mal rechts, keine 200m mit gleichem Charakter, vielfach auf Singletrails, fast immer fahrbar und mit nur wenigen Schiebepassagen. In Bocchetta di S. Bernardo querten wir die Landesgrenze, unmerklich und unsichtbar, ohne Markierung, geschweige denn mit einem Zollhäuschen. Auf dem Monte Cucco erwartete uns einmal mehr eine grandiose Aussicht, diesmal hinunter zum Lago di Como.
Ende Nachmittag erreichten wir dann unser Etappenziel Capanna San Lucio, eine gemütliche, einladende Hütte. Bevor wir jedoch unser Zimmer bezogen, genehmigten wir uns die obligate Bikerbelohung: Eine grosse Flasche Bier, dazu ein halbes Kilo salzige Erdnüsschen, garniert mit einer frühabendlichen Sonnenunternagsstimmung, mit Blick weit hinunter bis zum Lago die Lugano und in der Höhe zu den Walliser Alpen. Nach einer Riesenpfanne Pasta ai pomodori und ein paar Gläsern Merlot fielen wir dann reichlich müde, jedoch befriedigt ins Bett.

