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Mountainbikeland

Fotogalerie

Etappe 1
Etappe 1
Etappe 2
Etappe 2
Etappe 3
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Etappe 4
Etappe 4
Etappe 5
Etappe 5
Etappe 6
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Etappe 7
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TraumwirdWirklichkeit
Etappe 8
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Etappe 9
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Etappe 10
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Etappe 11
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Etappe 12
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Etappe 13
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Etappe 14
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Etappe 15
Etappe 15
Etappe 16
Etappe 16

Dieser Reisebericht liegt an:

Alpine Bike route-01
Alpine Bike
Scuol–Aigle
Zur Route
Ein Traum wird Wirklichkeit – Erlebnis «Alpin Bike» in 16 Etappen

Ein Traum wird Wirklichkeit – Erlebnis «Alpin Bike» in 16 Etappen

Mit dem Bericht möchte ich ältere, noch rüstige Gelegen- heitssportler motivieren, dieses Abenteuer zu erleben. Mein Ziel war eine Überquerung der Schweizer Alpen mit dem Bike. Aus meiner Sicht ein hohes Ziel, nein ein Traum. Die Etappen sollten innerhalb zweier Jahre in Ein- und Zweitagestouren gefahren werden – es wurden drei Jahre.
Mit meinen Beschreibungen möchte ich ältere, noch rüstige Gelegenheitssportler motivieren, dieses Abenteuer zu erleben.

Als ich SchweizMobil mit seinen Biketouren im Internet kennen lernte, hat es mich gepackt. In meiner beruflichen Übergangsphase zur Pension verfügte ich über etwas mehr Freizeit, die ich für Bike-Erlebnisse nutzen wollte, solange mein Körper noch mitmacht. Mein Ziel war also eine Überquerung der Schweizeralpen mit dem Mountainbike über Wanderpässe von Ost nach West. Und zwar reizten mich die 16 „AlpinBike1“-Etappen von Scuol nach Aigle. Aus meiner Sicht ein hohes Ziel, nein ein Traum. Die Etappen sollten innerhalb zwei Jahren in Ein- und Zweitagestouren gefahren und erlebt werden, also nicht in einem Stück, es wurden drei Jahre. Der Grund war nicht nur, die noch berufliche Bindung, sondern auch weil ich ein Schönwetterbiker bin, der gerne die schönen Tage nutzt. Darum schränkten oft das regionale Wetter und die Schneelage die Wahl der Etappen ein. Die Reihenfolge wollte ich nicht unbedingt einhalten.

Ein paar einleitende Biketouren im meiner Umgebung halfen mir die nötige Kondition einzuschätzen. Parallel zu den 16 Alpinetappen fuhr ich auch ähnliche Tagesausflüge. Ich bin ja kein richtiger Sportler aber ein Greenhorn bin ich wohl auch nicht. Mein Wohnort in Buchs im Rheintal war und ist geeignet mit Auto, der Bahn und dem Postauto die Etappen östlich vom Gotthard in Eintagesetappen und westlich davon in Zweitagesetappen zu planen. SchweizMobil bietet zu jeder Etappe nützliche Tipps an. Die von SchweizMobil angegebene Schiebezeit übertraf ich meistens massiv. Ich druckte immer eine Karte (1:50'000, farbig) aus und ein Höhenprofil. In letzter Zeit habe ich angefangen nicht nur die Karte zu drucken, sondern ich generiere GPS-Daten mit der SchweizMobil-Karte und lade sie auf mein GPS-Gerät. Als alter Wanderer weiss ich Kleidung und Verpflegung zu wählen und das Risiko bei kritischen Passagen zu minimieren. Wenn möglich wollte ich auch nicht allein fahren.

Nun ist mein Traum Wirklichkeit, eine fantastische Strecke! Die 16 Etappen sind unfallfrei gefahren und beschrieben. Der nächste Traum mit SchweizMobil kommt bestimmt, denn ich bin jetzt definitiv pensioniert.
Etappe 1
Scuol–Costainaspass–Tschierv

Früh am Morgen am 21.7.2009 fuhren meine Tochter Karin und ich mit dem Auto nach Landquart und anschliessend in einem Velowagen der Rhätischen Bahn durch das Prättigau nach Ardez. Das seitliche Sitzen im Velowagen bekam mir gar nicht gut, mir wurde vorübergehend schlecht. Scuol war wegen dem Bahnhofneubau nur mit dem Postauto erreichbar. Deshalb beschlossen wir mit dem Bike nach Scuol zu fahren.

Schon gegen 8Uhr und etwas unterkühlt finden wir die Abzweigung ins Val S-charl. Auf der Brücke mit dem gediegenen Eisengeländer lohnt es sich einen Blick zurück auf Scuol zu werfen. Teils über Asphalt, teils über Kies trampeln wir, eher gemütlich, das wilde, steinreiche Tal hinauf. Noch in kühler Luft und fast ohne Verkehr geniessen wir die Sicht auf den ungebändigten Fluss „Clemgia“. In S-charl angekommen fallen uns die gepflegten Engadinerhäuser mit den einladenden Restaurants auf. Am Dorfbrunnen mit seinem Bär, füllen wir unsere Wasserflaschen. Es treffen schon die ersten Postautos mit Touristen ein. Nun gilt es diesem plötzlichen Rummel zu entfliehen.

Der Weg führt uns weiter der munteren Clemgia entlang über ungeteerte Alpstrassen. Vor uns präsentieren sich grüne Alpweiden bei tief blauem Himmel. Der moderate Aufstieg wird nur mit kurzen, steilen Passagen unterbrochen. Laut schnaufend schaffe ich es knapp ohne Absteigen. Der Altersunterschied ist offensichtlich. Unterwegs informiert uns eine Tafel über die Namensgebung des rauen, steinigen Piz Amalia. Wer früh unterwegs ist kann sich auch kulturelles leisten, also studieren wir die Beschreibung. Die junge Prinzessin Amalia, Jahrgang 2003, gehört zur Königsfamilie der Niederlande, die schon lange enge Beziehungen zum Engadin haben. Hoffentlich bleibt die Prinzessin fein und zart und nimmt nicht zu viel vom Berg an. Auf der Alp Astras angekommen, gönnen wir uns eine Rast und probieren das angebotene, erfrischende Joghurt.

Anschliessend fordert uns ein perfekter Singletrail. Wir durchqueren kleine Bachläufe, schlängeln durch Legföhrenwälder, und geniessen Wiesenpfade bis zum Pass Costainas (2251 müM). Die Uhr zeigt erst etwas über 11 Uhr. Also können wir uns getrost schon wieder eine Rast leisten. Nach dem kommenden Ferienhäuschen geht es steil bergab. Also den Sattel runter, die Federung auf „on“, aufs Bike steigen und den Hintern hinter den Sattel. No risk no fun! Wer es sich zutraut fährt runter über die Felsplatten. Eine Zeit lang ist man mit seinen Fahrkünsten beschäftigt und sieht kaum die schöne Natur, es sei denn man legt einen Stopp ein. Durch Kiesstrassen an markanten Felsen vorbei und an südlichen Hängen mit blühenden Wiesen erreichen wir Lü, das kleine Dorf mit seiner eigenartigen politischen Kultur. Weiter fahren wir zügig nach Tschierv hinunter. Die Tour war konditionell moderat.

Trotzdem steigen wir in Tschierv ins Postauto. Ich löse 2 Velo und 2 Personen auf den Ofenpass. Auf die Frage des Chauffeurs: „Für ihre Frau“? Entgegne ich vehement: „Nein das ist meine Tochter“! Die Gäste im Bus quittieren den Disput mit Gelächter. Nachdem wir die Strecke vom Ofenpass bis Zernez mit dem Mountainbike zurückgelegt hatten, fuhren wir mit der Rhätischen Bahn wieder zurück nach Landquart zum Auto.
Etappe 2
Tschierv–Val Mora–Livingo

Diese Königstour habe ich schon zweimal gefahren, am 6.8.2009 mit Richard und zum zweiten Mal zu viert am 11.8.2011 mit Horst, Janos und Walter. Die Tour lohnt sich, es sind uns unvergessliche Erlebnisse geblieben.

Janos sammelt uns im Rheintal ein und fährt bis Punt La Drossa vor den Tunnel zu Livigno. Mit dem Postauto lassen wir uns auf den Ofenpass transportieren wo wir einen Kaffee trinken und ein Gruppenfoto schiessen. Dann auf der Passtrasse halten wir immer wieder an, in südlicher Richtung überragt der hohe Ortler mit seinem Gletscher den Gebirgszug vom Münstertal. Die Abzweigung auf die rechte Seite des Tales erwischen wir sicher und fahren an kleinen Weilern und einem hölzernen Bär über Naturstrassen vorbei ins Val Vau. Die anhaltend aufsteigende Schotter-Strasse ist garniert mit alten Lärchen und dunkelgrünen Legföhren. Wer die Umgebung noch wahrnimmt, geniesst den üppig blühenden Strassenrand. Als Ältester fahre ich zwangsläufig zuhinterst. Bei einem kurzen Halt diskutieren Walter und Horst angeregt über den gegenwärtigen Standort. Sind wir bald oben? Der Aufstieg ist weiter abwechslungsreich und stetig steigend. Endlich auf der Passhöhe Döss Radond auf 2234 müM angekommen präsentiert sich uns das gelobte Val Mora. Unsere Bikes liegen auf der Weide. wir verpflegen uns, umgeben von staunenden und schnuppernden Rindern. Übrigens findet man auf der ganzen Strecke keine Verpflegungsmöglichkeit, was man braucht, nimmt man mit.

Gut gelaunt schwingen wir uns auf die Bikes und nehmen die Schotterstrasse unter die Räder. Und was für ein Gefühl. Horst grinst (sorry) fast ununterbrochen, Walter winkt und winkt wenn er fotografiert wird, Janos, der Rennvelofahrer, riskiert Bachüberquerungen und ich ertappe mich beim Singen, dieses Tal, diese Berge dieses Wetter, dieser ungebändigte Flusslauf, einfach fantastisch. Der Fahrweg mündet später auf einer grossen Wiese in einen interessanten Singletrail und dieser durchquert anschliessend einen Legföhrenwald. Nach dem Überqueren einer Holzbrücke, ein geeignetes Fotosujet, steigen die technischen Anforderungen gelegentlich an. Nach kurzen, prägnanten Buckeln auf Geröllhalden erreichen wir die Grenze zu Italien. Wir setzen uns zu einer Rast auf einer kleinen Wiese zusammen, die einen in der Schweiz, die andern in Italien, so will es der Grenzstein zwischen uns.

Über den Passo Val Mora Cruschetta 1934müM, den schwachen Aufstieg haben wir nicht bemerkt, erreichen wir den flachen Stausee „San Giacomo di Fraele“. Verfallene Gebäude säumen den See und gespenstige Ruinen ragen aus dem Schlamm, zur Überflutung wieder bereit. Am Ufer lassen sich ein paar italienische Touristen zum Picnik nieder. Ein Blick auf die „SchweizMobil-Karte“ holt uns von der gemütlichen Einstellung zur Tour zurück auf den Boden. Auf dem italienischen Wegweiser stellen wir eine Wanderzeit von 1Std und 40 min bis zum Passo Alpisella fest. So, so, da gibt es kein Ausweichen. Ein steiler, langer Aufstieg fordert also nochmals alle unsere Kräfte. Auf dem Pass angekommen sind wir nicht allein, viele Wanderer und einige Biker sitzen schon am See. Während unserer Rast ist jedoch die Abfahrt ein Thema, wie sie wohl werden wird. Eine geniale Abfahrt über steile Schotterstrassen, die wir nicht in Gegenrichtung fahren möchten, da sind wir uns einig. In der Nähe vom Livignostausee, schlängelt sich am steilen Abhang der geländerlose, breite Weg in einer Postkartenlandschaft in Richtung des ersehnten Restaurants am See. Nach einem feinen Getränk radeln wir nach Livigno um mit dem Shuttle-Bus wieder zum Stausee und dann durch den Tunnel wieder in die Schweiz zu gelangen.

Aufgepasst, der Shuttle fährt zum letzten Mal um 16 Uhr 10. Bei der ersten Tour mit Richard liessen wir uns zu viel Zeit beim Bier und verpassten den Bus. Unwissend wollten wir mit dem Bike durch den Tunnel fahren. Die Frau in der Mautstelle auf dem Staudamm klärte uns über das Verbot für Velofahrer auf. In diesem Moment fuhr ein Rennvelofahrer mit grossem Tempo vorbei. Die Frau schrie und pfiff durch die Finger und war ganz ausser sich, sprang ans Telefon und informierte wahrscheinlich die andere Seite vom Tunnel über den Bösen. Wir schauten uns an, da war nichts zu machen!

Wir waren uns einig, in Livigno wollten wir nicht übernachten und suchten Lösungen. Die Idee: mit Autostopp auf die andere Seite vom Tunnel, das Auto holen und dann hier die Bikes laden und zurück. Wir unterrichteten die Frau in der Mautstelle über unser Vorhaben, die sofort einen Autofahrer überreden konnte, mich auf die andere Seite zu chauffieren. Es klappte, Richard und ich waren ihr dankbar.
Etappe 3
Livigno–St.Moritz

Ich hatte mich lange gesträubt, diese Etappe zu fahren, da ein langer Anfahrweg und nichts Besonderes auf ein schönes Erlebnis hin deutete, weit gefehlt! Am 17.8.2011 hatte ich mit Walter wieder ein Opfer gefunden. Auf der Tour fühlte er sich zwar eher als Glückspilz.

Er holt mich in Buchs ab und wir fahren zusammen nach Zernez und anschliessend mit dem Postauto nach Livigno. Selbstverständlich bei strahlendem Sonnenschein radeln wir bis zum Stausee und dann links ins blühende Valle di Federia, dem blauweiss schimmernden Bach entlang, über angenehme Schotterwege, bis zur Alp Mortarec. Das kam mir komisch vor. Einige Pferde schauten uns auch zu, wie wenn sie sagen wollten, was macht ihr denn da. Die Abzweigung zum Pass Chaschauna war verpasst. Aber da war doch weiter unten ein Wegweiser nach rechts, der hiess „La Pedaleda“ und gerade aus unser Schweizer Bike-Wegweiser „Alpin Bike Nr.1“. Das haben wir berücksichtigt und jetzt - doch falsch! Nach der ausgedruckten „SchweizMobil-Karte“ müssen wir umkehren. Kein Problem, der Tag ist noch jung und wir fahren etwas zurück.

Über eine Abkürzung finden wir dann doch noch den richtigen Weg. Mein durchtrainierter Namensvetter Walter trampelt unbekümmert die Abkürzung hoch, was mir, dem Pensionär, nur in kurzen Stücken gelingt. Der richtige Weg wird immer steiler und ruppiger. Er wird so steil und grob, dass wir uns fragen, ob da nur Panzer verkehren? Walter hebt das Bike auf die Schulter, schieben ist ihm zu anstrengend. Die Luft wird immer dünner, die Beine langsamer und plötzlich das Restaurant in Sicht. Dort trinken und essen wir etwas Weniges und geniessen die Aussicht. Da, was ist das? Ein Biker der 2 Bikes trägt? Da kommt einer hoch und trägt 2 Bikes gefolgt von seinem Kollegen ohne Bike. Das müssen gute Kollegen sein!

Wir greifen wieder zu unserem Drahtesel und schieben ihn in Richtung Pass Chaschauna. Ich blicke hinauf und sehe Walter das Bike stemmen, er ist also oben auf 2694müM. Das ist der höchste Pass, den wir beide mit dem Mountainbike bisher erklommen haben. Aus dem Zeitvermerk 3 ¼ Std auf dem Wanderwegweiser nach S-chanf, interpretieren wir für uns eine lange Abfahrt. Es sollte nicht nur eine Lange sondern eine der Schönsten werden. Wir haben uns auf abwärts schieben eingestellt, aber nein, vor uns liegt ein frisch präparierter, sehr steiler, aber hervorragend zu fahrender Pfad. Die Kurven nicht zu schnell nehmend und manchmal hinter dem Sattel sitzend fotografieren wir uns vor Freude immer wieder. Das weitgehend unberührte Tal nehmen wir erst auf der Ebene zur Kenntnis. Der folgende, unbeschwerte Singletrail, Bächlein durchquerend, lässt in uns weitere Glücksgefühle hochkommen. Wir rollen durch dieses Tal, das mit seinen hohen Bergen, dem reissenden Fluss, der Blumenpracht und den extensiv genutzten Weiden eine Augenweide ist, wie so viele, wenig bekannte Seitentäler des Engadins. Wir bremsen und halten an. Da steht ein noch bedeutend älterer Herr auf der Strasse, den wir als Fotograf anstellen wollen. Als er unsere Fotokamera in der Hand hält und vor uns mühsam niederkniet, um von uns ein möglichst schönes Foto zu machen, ist es für uns fast peinlich. Wir nehmen es mit Humor und bedanken uns nach einem interessanten Gespräch.

Im blumengeschmückten S-chanf angekommen, nehmen wir Kurs auf St.Moritz, so wie die Tour von SchweizMobil es will. Wir wechseln sinngemäss von einer Biketour zu einer Velotour, denn die Wege sind geeignet für Velos. Ein Veloweg in hoher Qualität führt uns dem Inn entlang. Am Rand die blühenden, hohen Weideröschen und der silberblaue Inn begleiten uns bis zu den natürlich, künstlich angelegten Seen vor Samedan. Im Flughafen startet gerade mit viel Getöse ein Privatjet. Mit dem scharfen Malojawind haben wir nicht gerechnet, er bringt uns ins Schwitzen. Dem Bikeweg folgend gelangen wir durch den Statzerwald zum Laj da Statz. Es geht zwar bergauf, aber ohne Wind ist es erträglich, zumal wir am Laj da Statz uns ein kühles und teures Weizenbier gönnen.

Von St.Moritz führte uns die Bahn wieder nach Zernez, zu unserem Auto.
Etappe 4
St.Moritz–Septimerpass–Bivio

Diese Tour nahmen meine Tochter Karin und ich in Gegenrichtung unter die Räder. Tiefencastel erreichten wir am 29.Juli 2009 mit dem PW und anschliessend Bivio mit dem Postauto. Kurz vor 8Uhr starten wir von Bivio in Richtung Septimerpass. Über Asphalt- und dann über Schotterstrassen geht es moderat steigend, zuerst dem Bach und an Alpgehöften entlang. Nach dem ersten, deutlicheren Aufstieg breitet sich ein grünes Hochtal mit schlängelndem Bach aus. Die nächsten Kehren bedeuten den Hauptaufstieg zum Septimerpas, den wir nach etwas über einer Stunde bei blauem Himmel und klarer Sicht erreichen. Vor uns präsentieren sich die Dreitausender vom Bergell. Beim Seeli machen wir Rast. Zwei Biker überholen uns in gleicher Richtung und halten an. Wir schiessen gegenseitig Fotos. Sonst ist die Gegend menschenleer.

Beim Beginn der Abfahrt halte ich ein Moment inne. Ist das vor uns der Weg oder der Bach. Es ist eindeutig der Weg. Wacker steinig und ausgewaschen ist er, Karin schiebt, ich probiere technisch zu fahren. Weiter unten treffen wir auf die 1991 renovierte und für diese Gegend typische Steinbrücke. Davor gelingt uns ein Foto mit dem Selbstauslöser. Der Weg wird immer steiler, der Bach lauter, ich fange auch an zu schieben bis der Weg in einen Grashang mündet. Die am Anfang geplante Richtungsumkehr der Tour ist wahrscheinlich keine schlechte Idee. Es reizt wieder zu fahren aber es schüttelt mein Fully so verrückt, dass meine Tasche auf der Lenkstange aus der Halterung springt und die Geröllhalde weit hinunter purzelt. Meine Fotokamera ist zwar verbeult, funktioniert aber noch.

Über Schotterstrassen erreichen wir Casaccia. Wir nehmen die Hauptstrasse über die Kehren zum Malojapass. Meine Tochter Karin klettert schneller, denn sie ruft zu mir herunter: „Vater so langsam kann ich nicht fahren, sonst falle ich um, ich warte oben“. In Maloja, treffen wir um Mittag ein, finden sogleich ein Gartenrestaurant wo wir gut essen. Anschliessend hilft uns die „SchweizMobil-Karte“ den Einstieg in die rechtsseitige Route am Silsersee zu finden. Der leicht zu fahrende, jedoch etwa 200m ansteigende Weg gibt uns eine phantastische Sicht auf den Silsersee und auf den Weiler Isola frei. Bei diesem Wetter ein Genuss und zu empfehlen! Der Weg führt in eine Alp und darauf auf einem Singletrail zum unteren Teil des Val Fex.

Auf der Abfahrt nach Sils Maria begegnen wir einem Pferdegespann mit Touristenkutsche. Nach dem schmucken und reich anmutenden Sils Maria fahren wir auf dem stark mit Fussgängern und Velofahrern frequentierten, breiten Weg dem tiefblauen Silvaplanersee entlang. Wir beobachten gegen hundert Kite-Surfer, heile Welt im Oberengadin. Entgegen dem Etappenziel St.Moritz steuern wir Samedan an. Wir überqueren denn Inn, fahren an der Sprungschanze und an einem Badesee vorbei, bevor wir den Statzerwald und den Laj da Statz erreichen. Nach der Abfahrt durch den Statzerwald zweigen wir über Velowege nach Samedan ab. Mit eindrücklichen Gegensätzen von kargen Alpen und reichen Siedlungen erreichen meine Tochter und ich etwa um halb 4Uhr Samedan. Dort besteigen wir den Zug nach unserem Ausgangsort Tiefencastel.
Etappe 5
Bivio–Tiefencastel

Von dieser Etappe erwarte ich nichts Spektakuläres, deshalb würze ich sie mit dem Abstecher zur AlpFlix. Meine liebe Tochter Karin lässt mich wieder aus Sicherheitsgründen nicht allein fahren, was meine Frau so eingefädelt hat. Bei trübem Wetter begeben wir uns mit dem Auto am 30.August 2011, nach Tiefencastel. Es ist 9Uhr als wir mit dem Bus in Richtung Bivio losfahren. Im noch kühlen Bivio radeln wir etwas zurück und dann im Wald über die ansteigende, Schotterstrasse bis zum Hang ob Marmorera. Entgegen der Alpin Bike1-Route stechen wir nicht nach Marmorera hinunter, sondern steigen weiter bis zur ersten Rechtskurve. Etwas darnach ist am Waldrand mit etwas gutem Willen ein Alp-Flix-Wanderwegweiser zu finden. Obwohl über zwei Kilometer keine Höhenmeter erarbeitet werden, ist der Weg eben ein Wanderweg zum Schieben, besonders an Anfang. Die Sonne verdrängt den Nebel allmählich, als wir „Gruba“ erreichen. Der Name dürfte von Grube kommen. Also, Augen auf! Wir finden dort tiefe Mannshohe Löcher im Fels, wo im Mittelalter Eisen, Kupfererze, Mangan und sogar Silber gewonnen wurde. Nach zwanzig Minuten bergwärts schieben, erreichen wir die ersten Gehöfte auf der Alp Flix. Eine weite Ebene tut sich vor uns auf. Fahren tut gut. Es ist Mittag, wir kehren im „Berghaus Platta“ ein.

Nach dieser Stärkung wollen wir zu den Lais da Flix. Sie präsentieren sich in einer hügeligen Landschaft, fast lieblich zwischen frei stehenden Fichten und Wachholdersträuchern. Im blauen Wasser spiegeln sich die weissen Wolken, die Fichten und die Berge. Der Abstecher hat sich gelohnt. Wir fahren hinter den Seen und biken und tragen das Ding den Wanderweg hinunter zum Lai Neir. Kurz danach treffen wir auf die Strasse, die in Richtung Süden weiter führt und die offizielle Alpin Route Nr1 trifft. Über fast nicht endende, doch sehr schön zu fahrende Forststrassen erreichen wir Tinizong und anschliessend Savognin. Im Oberhalbstein, an der linken Flanke vom Tal durchfahren wir gemütlich kleine Dörfer min noch nie gehörtem Namen. In Mon beim letzten zweigen wir ab in einen gut zu fahrenden, spannenden Singletrail zu unserem Ausgangspunkt Tiefencastel, ein spassiger Abschluss! Um ca.15 Uhr fahren wir zurück.
Etappe 6
Tiefencastel–Glaspass–Safienplatz

Den Bericht dieser Etappe setze ich aus 2 gefahrenen Teil-Etappen zusammen. Die erste Teil-Etappe Tiefencastel-Thusis am 16.4.2010 und die zweite Urmein-Glaspass-Safienplatz am 21.7.2010.

Von Tiefencastel fährt man am besten der Bahnlinie entlang nach Westen. Schon bald kommt man an einer sehr alten Kapelle vorbei, die es lohnt innen zu besichtigen. Sie wurde vor 1200Jahre schon schriflich erwähnt! Etwas später fährt man über die Hauptsrasse nach Alvaschein. Den Hang entlang zieht eine kaum leicht ansteigende Strasse, in der Mitte mit Gras bewachsen, bis zum Tobel, herrlich zum Biken. Auf der anderen Seite steigt eine Asphaltstrasse durch Zorten und Muldain. Vom Schwitzen klatschnass angekommen, kühle ich mich am Brunnen bei der Kirche. Über einen Schotterweg gelangen wir zum Aussichtspunkt an der Schinschlucht. Hier lohnt sich eine ausgiebige Rast, wenn nicht gerade stinkende Ziegenböcke dort weiden. Die Schinschlucht bis nach Scharans ist eine sehr lohnenswerte Strecke. Der imposanten Felswand entlang blühen blaue Leberblümchen, sogar weisse Albino sind darunter. Die feinwellige Felsstruktur am rechten Wegrand war vor Millionen Jahren beim Abgleiten der Ablagerungen an einem tiefen Meeresabhang entstanden. Nach diesen Beobachtungen rollt man durch einen beleuchteten Tunnel weiter und schaut manchmal auf die Autostrasse hinunter. Eine wilde Gegend welche die Autofahrer dort unten nicht wahrnehmen.

Nach Thusis, beim Aufstieg zum Glaspass sind über 1100 m zu überwinden. Die Strassen sind jedoch alphaltiert, bei Umfahrungen sehr steil und der Verkehr lebhaft. Die Terrasse vom Gasthaus Beverin am Glaspass ist ein geeigneter Platz, die zu Ende gehende Etappe zu geniessen. Die Abfahrt nach Safienplatz wird oft als gefährlich eingestuft. Ich habe sie nicht so erlebt. Denn auch hier gilt, Sattel runter, bei kritischen Stellen hinter den Sattel sitzen und nur das fahren was man sicher beherrscht. Für mich sind daraus sehr viele Schiebepassagen entstanden.
Etappe 7
Safienplatz–Tomülpass–Lumbrein

Zwei Herren im Pensionsalter riskieren den Tomülpass mit dem Moutainbike. So würde es wahrscheinlich in der Zeitung stehen, wenn uns ein Sportreporter zugeschaut hätte. Am 22.8.2011 treffen Richard und ich noch vor 9 Uhr mit dem Postauto in Turrahus, im Safiental ein. Die Strecke von Safienplatz bis hier haben wir uns gespart. Nach einem Kaffee im Restaurant schwingen wir uns auf die Bikes. Soweit kommen wir gar nicht, wir müssen absteigen. Wir Wanderer, ausgerüstet mit einem Bike, schieben es unverdrossen fast zwei Stunden bis zum Tomülpass, SchweizMobil schreibt 20Minuten. Es ist ein schöner breiter Weg, für junge Biker bestimmt fahrbar. Turrahus ist noch im Schatten, wir aber wandern zufrieden an der Sonne. Der wolkenlose Himmel und die Aussicht begeistern uns. Ein Stück Betonstrasse erlaubt uns wieder zu fahren. Etwa um halb zwölf kommen wir auf dem Pass an, auf 2412müM. Wir richten uns zum Picnik ein und beobachten noch einen Wanderer. Sonst ist die Gegend menschenleer. Neben uns ist auf einer Betontafel ist eingeritzt: „Diesen Weg haben polnische, internierte Soldaten gebaut 1941“. Zu dieser Zeit war ein Biker auf diesem Weg noch unvorstellbar.

Wir rüsten uns zum Downhill. Alles einpacken, festbinden, den Sattel runter und die Federung einschalten und los geht’s. Eine Strecke, ein Genuss und für routinierte Biker fast voll zu fahren, bei höherem Risiko schiebe ich ein paar Meter. Der Weg zeigt sich manchmal steinig, dann sandig, wieder mit Stufen und Felsen und kurz darauf mit Gras bewachsen, sehr abwechslungsreich. Ich habe mir angewöhnt, regelmässig anzuhalten um die Landschaft zu geniessen und damit die Abfahrtszeiten zu verlängern. Am Ende des Hochtals mit seinem schlängelnden Bach flattern 2 Mauerläufer am Felsen. Ein eher seltener, farbiger amselgrosser Vogel. Er breitet seine rot-schwarzen Flügel mit weissen Tupfen wie ein Schmetterling am Fels aus, wenn er Insekten sucht. Ein Stück weiter vorn öffnet sich der Blick ins Valsertal und dann auf Vals. Ich frage an einer Abzweigung: “links oder rechts“? Richard entgegnet: „Willst du den Wanderweg hinunter?“. Von Wanderungen kenne ich den geröllreichen und steilen Wanderweg und ziehe darum die Schotterstrasse vor. In Vals, in einer Gartenwirtschaft, geniessen wir ein Getränk. Hier trennen wir uns wie geplant und ich fahre allein weiter. Die breite Strasse von Vals bis Uors ist bald zurückgelegt. Die Strecke Uors-Lumbrein findet auf guten Strassen statt, ist mit ca 600Meter Aufstieg aber nicht zu unterschätzen.
Etappe 8
Lumbrein–Disentis

Auch diese Etappe setze sich aus 2 Teiletappen zusammen. Die Erste von Lumbrein nach Obersaxen am 5.10.2011, die Zweite von Zignau nach Disentis, die ich schon oft gefahren bin. Zum dritten Mal radle ich über die AlpNova, diesmal mit Bikekollege Walter. Die ersten Höhenmeter ab Lumbrein sind auf einer recht steilen Alphaltstrasse zurückzulegen. Ein Verbindungsstück zur nächsten Alphaltstrasse ist anfangs auch steil, bringt aber Abwechslung. Am Ende lohnt sich die Anstrengung. Ein Blick über das Lugnez bis zum Ringelspitz und Calanda bestätigt die Bezeichnung „Lugnez-Tal des Lichts“. Die erreichte Asphaltstrasse führt durch einen Vogelbeerbaum-Wald von seltenem Ausmass. Im Frühjahr verbreiten die Blüten einen penetranten Geruch, der mir das Atmen nicht zum Vergnügen gemacht hat. Jetzt im Herbst sind die massenhaft an den Bäumen hängenden, roten Beeren zum Teil schon von den Vögeln abgeerntet. Bei der Alp Sezner finden wir eine Bank an der warmen, braun verwitterten Südwand eines Blockhäuschens bei der Skibar, die sich zum Picknick eignet. Vor uns wartet nochmals ein Kilometer leichte Steigung bis zur Alp Nova. Auf dem Pass angekommen entfährt Walter ein Wouw! Diese plötzliche Aussicht auf die Brigelser Hörner und den Tödi.

Darauf eine Abfahrt auf Schotter und dann ein Singletrail auf der Wiese. Heute, bei schönstem Wetter sind noch die Nachwirkungen des vergangenen Regenwetters zu beachten. Pfützen und tiefe Sumpfstellen erhöhen die technischen Ansprüche an den Fahrer. Wir kommen heil durch. Nach kurzen intensiven Steigungen auf Schotterstrassen biegen wir um die Ecke ins Skigebiet Obersaxen. Im Weiler Wali kehren wir in einer Gartenwirtschaft ein und geniessen ein schäumendes Getränk. Zurück bis St.Martin hinunter fährt man auf Asphalt. Die Strecke bis Zignau kenne ich nicht, dürfte aber interessant zu Fahren sein. Zignau ist mit Disentis mit einem angenehmen, fein geschotterten oder teilweise sogar asphaltierten Veloweg verbunden, der durch Rheinauen und über originelle Brücken führt. Einzig vor Disentis will die Route Alpin Bike 1 noch über das Dörfchen Cavardiras. Hier haben mir schon Frauen, ich glaube vom Kirchenchor, Speis und Trank verkauft, dessen Erlös dem Verein zugutekam. Wenn man anschliessend ins Dorf Disentis will, verlässt man die Alpin Bike1-Tour und zweigt über die erste Brücke am Rhein ab, wo man sich wieder auf dem Veloweg befindet.
Etappe 9
Disentis –Maighelspass–Andermatt

Mangels Teilnehmer fahre ich diese Etappe allein. Ich lasse auch die Strecke von Disentis nach Tschamut aus, denn ich bin die Surselva schon so oft gefahren. Allein die Strecke bis Disentis ist schon eine Etappe, wenn auch eine leichte. Ich nehme mir den Leckerbissen über den Maighelspass vor. Nach einer Übernachtung in der Surselva parkiere ich in Tschamut am 19.August 2009 in aller Herrgottsfrühe, also noch vor 5Uhr. Es ist noch dunkel, der Tag kündigt sich erst ganz schwach an. In der Streckenbeschreibung von SchweizMobil wird von einem schweisstreibenden Aufstieg gesprochen, den ich am kühlen Morgen vermeiden will. Vor dem Oberalppass verlässt die Bikeroute die Hauptstrasse in Richtung Val Maighels. Etwas später zweigt die vielbegangene Wanderroute zum Thomasee, zur Rheinquelle ab. Ich bleibe auf der Naturstrasse und steure, beobachtet von neugierigen, gerade aufstehenden Kühen, in Richtung Maighelshütte.

Den Kaffeegeruch schon in der Nase, packe ich den kleinen Umweg zur Hütte. Die Fahne ist gehisst, alles scheint noch ruhig. Das Bike lege ich auf die Terrasse und trete in die Hütte. Gemurmel von Wanderern und Kaffeegeruch tritt mir entgegen. Eine freundliche Frau bereitet mir einen Kaffee zu, den ich einsam auf der Terrasse trinke. Inzwischen war die Sonne aufgestanden und beleuchtet das Tal und den Weg, den ich unter die Räder nehmen will. Die Berge erscheinen in einem goldenen Licht. Der Singletrail entpuppt sich über weite Strecken als gut fahrbar bis zu einer Treppe die eben tragen verlangt, etwas Schieben muss ich dann doch noch. Noch im Schatten tut sich eine kleine Hochebene mit dem mäandrierenden (schlängelnden) Bach auf. Eine bescheidene, hoffentlich stabile Holzbrücke lädt zum Überqueren des Baches ein. Weit und breit nur Natur, glaube ich. Doch der Pfiff eines Murmeltieres warnt vor dem frühen Biker. Mikrig komme ich mir vor, zwischen diesen trutzigen Bergen, Gletschern, Steinen und taufrischen Wiesen, vermischt aber mit einem aufkommenden Glücksgefühl. Es ist Mittwoch, gestern arbeitete ich noch und jetzt hier, vor dem unbekannten Maighelspass. Ein bemalter Stein, der als Wegweiser „Maighels, Vermigel, Gadlimo“ herhalten musste, beendet mein Sinnieren. Ich bin nicht vor, sondern auf dem Maighelspass. Ein kleiner, glasklarer See mit munteren Grasfrosch-Quaulquappen liegt vor mir. Im Hintergrund trotzen die dunklen, schneegefleckten Berge vom Gotthardmassiv. Die Kette zwischen den zwei fast 3000ern Pizzo Centrale und dem Gemsstock, spiegeln sich märchenhaft d im See. Ein Platz zum rasten! Dieses High Light hat sich im mir eingeprägt, vielleicht auch wegen den vielen Fotos die ich schoss.

Meine Uhr zeigt viertel nach 8Uhr. Der knurrende Magen verlangt Nachschub. Darauf macht ich mich zur Abfahrt bereit, also Federung aktivieren und Sattel runter und Helm auf! Ich stellte mich auf ein ausgiebiges Schieben ein. Durch einen nach links abfallenden Hang zeigt sich jedoch ein wunderschöner Singletrail. Der Hang mündet in einen stattlichen tiefblauen und vermutlich tiefen See. Unterwegs stosse ich auf drei Wanderer, ein Mann und zwei Frauen. Wir tauschen unser „Woher und Wohin „ aus und sie bestaunen interessiert mein gefedertes Vehikel. Nach dem lebhaften Gespräch nehme ich die technisch anspruchsvolle Abfahrt unter die Räder. Unterwegs steht ein Esel mitten im Weg, beladen mit Plastikpfählen und elektrischen Bandrollen. Ich steige ab und umgehe ihn. Er bewegte sich nicht, er schaute mir auch nicht nach, wie wenn ein Velo auf diesem Wanderweg eine Selbstverständlichkeit wäre. Nach Schiebe- und doch überraschend vielen Fahranteilen erreiche ich die Alp Vermigel im Unteralptal. Um etwas zu trinken trample ich noch zu Vermigelhütte hinauf, eine einfache Hütte mit sonniger Terrasse.

Nach etwas Ruhe und ein paar Worten mit den 2 Gästen begebe ich mich auf die Schotterstrasse nach Andermatt. Wieder ein überwältigendes Gefühl durch diese Tal zu fahren, ein Tal mit einem wilden, blauen Bach zwischen hellen Granitsteinen, umsäumt von grünen Wiesen und hohen Bergen, den Wind um die Ohren und eine Staubwolke hinter mir her ziehend, ein Bikergenuss. Nach einigen kurzen Halten mit Sicht auf die Berge beidseitig der Schöllenenschlucht, die Oberalpstrasse, das Windkraftwerk auf Gütsch, die vorgelagerten, mit Gletscher verzierten Gipfel des Fleckistocks nähere ich mich Andermatt. Schade, Andermatt habe ich viel zu früh, etwas nach 11Uhr erreicht. Ein Grund war auch die heute nicht gefahrene Teil-Strecke Disentis-Tschamut.

Am Bahnhofschalter angekommen sind beide Billetschalter mit Kolonnen besetzt. In drei Minuten fährt ein Zug Richtung Disentis. Zügig begebe ich mich auf das Perron, schaue vor dem Einsteigen nochmals auf die Anzeige, …was Göschenen? Verdammt! Gegenüber schaut ein Lockführer aus der Lock. Ich rufe im zu: Wohin? Er: „nach Disentis!“ „Kann ich mitkommen“? Er, „ja, ich müsste jetzt abfahren, aber ich warte noch“. Hastig renne ich, das Bike tragend, Treppe runter, Treppe hoch, der schon informierte Zugführer packt mein Velo, ich steige ein und der Zug fährt ab. Nach diesem sprichwörtlichen Service löse ich schwitzend das Billett zum Oberalppass im Zug, was damals noch möglich war.

Mit dem Bike erreiche ich mein Auto in Tschamutt.
Etappe 10
Andermatt – Meiringen

Meine Tochter Karin hat sich wieder für eine Tour begeistern lassen. Darauf bin ich etwas Stolz. Wir übernachten in der Surselva und nehmen am 30.Mai 2011 den Zug auf den Oberalppass. Vom Pass starten wir vor 9Uhr nach Andermatt, dem offiziellen Ausgangspunkt der Tour. Ich war mir nicht so sicher, ob das eine gute Etappe werden würde. Den Sustenpass verbinde ich mit breiten Strassen und viel Auto- und Motorradverkehr, so ist er mir in Erinnerung. Am Beginn der Schöllenenschlucht war ich etwas über die Streckenführung enttäuscht. Ich wollte eigentlich die alte Strasse über die Teufelsbrücke fahren. Die „Bike Alpin1“führt aber über die Hauptsrasse. Nach Göschenen wird die Strecke interessanter. Über Schotterstrassen, Treppen und Singletrails erreichen wir Wassen, die Abzweigung ins Meiental. An einem sehr warmen Hang an praller Sonne wartet ein steiler Aufstieg auf uns. Schieben war für mich selbstverständlich. Wassen sah ich zum ersten Mal aus dieser Perspektive. Schon vor dem Kraftwerk schwingen wir uns wieder aufs Bike und fahren der wilden Meienreuss entlang, und plötzlich diese Überraschung. Auf einem Weg mit 2 Fahrrinnen mit Gras in der Mitte bewachsen, treffen wir zum ersten Weiler. Wie heissen sie alle: Husen, Dörfli, Meien, Fährnigen, alle gepflegt und idyllisch. Noch ist keine Alphaltstrasse in Sicht, sondern beste Bikewege, waren es Säumerwege? Vor uns blendet das schneebedeckte Wendenhorn, wie im Bilderbuch, ein Berg vor dem Titlis.

Durch mannigfaltige, beste Fahrwegtypen rollen wir weiter. Manchmal haben wir das Gefühl sie seien einmal für Biker angelegt worden und in der Zwischenzeit mehr oder weniger mit Gras überwachsen. Es ist Mai, blühende Wiesen säumen die „Bike-Alpin 1-Strecke“. Auffallende Schwefelanemonen dekorieren den Wegrand. Das Meiental ist wirklich eine Postkartenlandschaft, aber nur zu Fuss oder mit dem Mountainbike. Hinten im Tal, nach der Alp Susten, die dem Pass den Namen gegeben hat, wird die Steigung deutlich stärker. Für mich zu stark, ich schiebe. Karin fährt weiter, wird manchmal durch überhöhte Querrinnen gestoppt. Der Weg wird schmal, die Steigung unfahrbar. Den Hang nennt man „in den Wängen“. Mit sehr langsamen Schritten trage ich mein hoch geschätztes Bike den steilen Fussweg hinauf bis zum Schneefeld an der letzten Rechtskehre der Hauptstrasse. Kurzzeitig bin ich an meinen Grenzen! Die Schneefelder zwingen uns für die letzten zwei Kilometer die Hauptstrasse zu benützen. Auf der Passhöhe kehren wir ein.

Für die ersten 6 Kilometer der Abfahrt wird die Hauptstrasse benützt. Nachher aber, welche Freude, dürfen wir wieder auf ähnlich verwachsenen, aber festen, alten Schotterstrassen fahren. Wir sind im Gadmertal, die Strassen leiten uns meistens ausserhalb der Dörfer durch. Der Strassenluxus steigt jetzt kontinuierlich an, von tief mit Gras bewachsenen Waldwegen, zu mit „Rasen“ bewachsenen Schotterstrassen, zu groben Schotterstrasen, zu feinen Schotterstrassen und dann zu Asphaltwegen. Der Sustenpass ist beidseitig eine auffällige Ansammlung von verschiedensten Fahrwegtypen, wie sie selten zu finden sind. In Innertkirchen angekommen fahren wir links der Aareschlucht auf der Hauptstrasse nach Meiringen. Die geplante rechte Seite der Schlucht über den Bikeweg wäre besser gewesen. Von Meiringen reisen wir etwa um halb fünf mit der SBB zurück nach Buchs.

Bemerkung: Wer mit dem Auto über den Pass fährt, hat vieles ver-Pass-t.
Etappe 11
Meiringen–Grosse Scheidegg–Interlaken

Da die Anfahrt aus dem Rheintal, mit öffentlichen Verkehrsmittel, mindestens 4 Stunden dauert, beschliesse ich eine 2-Tagestour zu planen.

Bei der Hotelsuche stosse ich auf die Backpackers-Unterkunft „Downtown Lodge“, in Grindelwald. Sie ist von SchweizMobil empfohlen. Ich muss wissen, was das ist und melde uns an.

Walter, mein Namensvetter, zeigt sich zu meiner Freude bereit mitzumachen. Nachdem Walter in Grindelwald erst im fünften Laden eine Wasserflasche gefunden hat, treten wir am 27.6.2011 gegen 11Uhr in die Reception der Lodge. Die freundliche, junge Frau hat uns erwartet, klärt uns auf, über unser Zimmer und das Morgenessen. Sie knallt uns die Bettwäsche auf den Tisch und wünscht uns einen schönen Tag. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen, klemmen die Bettwäsche unter den Arm und finden ein sauberes 4er-Zimmer mit 2 Kajütenbetten ganz für uns allein. Wir sind spät dran und lassen die Bettwäsche vorläufig liegen.

Diese Etappe fahren wir bei schönstem Wetter aber in Gegenrichtung. Der Anstieg über die markierte „Alpin Bike 1“-Strecke wird immer steiler. Zeitweise schiebe ich. Auf einer Strasse mit Asphalt, denke ich, das ist nicht möglich. Der durchtrainierte Walter fährt voraus. Um meinen Abstand etwas zu vertuschen, diskutiere ich mit einem Bauer über die Trockenheit. Verschnauft steige ich wieder aufs Bike und gleich wieder ab. Weit vorne sehe ich sogar Walter schieben. Mein GPS meldet 30% Steigung-Verrückt! Aber diese Aussicht, wir schieben unser Bike, neben uns die Felswand vom Wetterhorn, schon weiter entfernt ist die Eigernordwand. Über dem oberen Grindelwaldgletscher taucht zuerst das kleine, dann das 4078m hohe Schreckhorn auf. Ich staune und Walter, der Hochgebirgstouren liebt, ist begeistert. Da unten auf einer Wiese plätschert ein Brunnen. Ich rufe Walter zu und er versteht mich sofort. Klatschnass, verschwitzt kühle ich mich am Brunnen ab und trinke Wasser. Wir verpflegen uns und schwärmen von der gegenwärtigen Aussicht. Also, schieben wir weiter, an wohl riechenden Wiesen vorbei, mit weissen Margeriten, gelbem Wundklee, roten Nelken, blauen Witwenblumen, eine Pracht. All das lässt unsere Anstrengung zum Klacks dahinschwinden. Irgendwann erreichen wir die Strasse, auch Wanderweg genannt, der fast horizontal zur Grossen Scheidegg führt.

Nach einem Hock im Restaurant stechen wir ins Reichenbachtal, Richtung Meiringen. Die Vegetation hat sich schlagartig verändert, von den steinigen, mit Disteln verzierten Wiesen, dann im Gegensatz die andere Seite mit üppig wachsenden und mit kleinen Teichen gespickten Alpen. Rechts von uns drohen die etwa 30 bis 50 Meter hohen Abbruchwände vom Hengsteren-Gletscher. Auf der Asphaltstrasse halten wir immer wieder an und kehren in der Rosenlaui ein. Wir haben das Bike nicht nach dem Geschmack der Bedienung parkiert und müssen umparkieren. Walter ärgert sich, ich denke, vielleicht hat sie Recht, aber ich hätte einem Kunden nichts gesagt. Ab der Grossen Scheidegg bis Interlaken fahren wir nur auf Alphalt, eine Velotour. Das ist nicht abmindernd gemeint, denn das Reichenbachtal bis Meiringen ist wechselnd alpin, lieblich und wild, also sehr abwechslungsreich. Wir beschliessen über das Etappenziel Meiringen hinaus bis nach Interlaken zu fahren. Als besonderer Leckerbissen empfinden wir die Strecke, dem rechten Ufer vom Brienzersee folgend nach Interlaken, allerdings auf einer Autostrasse mit wenig Verkehr.

Mit der Bahn erreichen wir wieder Grindelwald, wo wir um etwa 6Uhr ankommen, uns duschen und ein feines Abendessen geniessen.
Etappe 12
Grindelwald–kleine Scheidegg–Interlaken

In der „Downtown Lodge“ haben wir geschlafen wie die Murmeltiere, kein Wunder nach dieser Etappe gestern. Um 7Uhr, am 28.6.2011 schiessen wir die ersten Fotos, darunter den, von der Sonne beleuchteten, Eiger vor blauem Himmel. Das üppige Frühstücksbuffet schmeckt uns.

Gegen 8Uhr starten wir in Richtung Kleine Scheidegg. Wieder auf kaum befahrenen Asphaltstrassen steigen (fahren) wir bei noch angenehmer, kühler Luft neben dem gelben Bähnchen den Hang hinauf. Die Wegweiser, ausgetrampelte Wanderwege, auftauchende, künstliche Monumente und Wirtschaften zeugen von einem starken Tourismus. Wegweiser bestätigen, wir sind auf der Route „Alpin Bike 1“. Wir treffen 3 junge Koreaner, die uns nach dem Weg auf den Männlichen fragen. So gut es geht weisen wir den Weg und deuten zur Bahn. Die Alphalt- mausert sich zur Schotterstrasse. Die grossen, etwa 100 Jahre alten Gebäude der kleinen Scheidegg rücken näher. Bei einer Pause lassen wir Eiger, Mönch und Jungfrau auf uns wirken. Sehr dekorativ präsentiert sich rechts davon das Silberhorn. Auf der schotterigen, steilen Strasse schiebe ich brav auch weil mir nichts anderes übrig bleibt. Ich schaue zu einer Kurve hinauf, Walter reisst die Hände hoch, er ist oben (fast). Ein Brunnen lädt zum kühlen ein. Ich werfe einen Blick zu der mächtigen Bergkette, da, die Sphinx, Top of Europe, das Jungfraujoch. In der Gartenwirtschaft der Kleinen Scheidegg genehmigen wir uns ein Getränk und geniessen das sprichwörtliche Panorama. Um halb 11 sind noch wenige Leute auf dem Platz, um halb12 „räblets“ nur noch so. Grosse Massen sind von beiden Seiten mit vielen Bahnen angekommen.

Wir entschliessen uns nach Wengen hinunter zu tauchen. Auf einer feinen, gepflegten Touristen-Schotterstrasse rollen wir gemächlich dem Bahntrasse entlang zu Wengernalp. Unterwegs treffen wir auf eine weiss gekleidete Nonne, ich halte an. Sie fragt mich, ob ich eine Bohrmaschine bei mir hätte. Ich wusste nicht so recht wie ich reagieren sollte und dachte, sie komme von einem anderen Planet. Freundlich lachend antworte ich: “Nein das brauchen wir Biker nicht“. Walter kommt dazu und sie redet weiter von einem Loch das sie in einen Stein bohren, und dann eine Tafel befestigen will. Mit Ihr zusammen schwärmen wir von Gottes schöner Natur, da schenkt sie uns eine fromme Broschüre. Hoffentlich sah sie unser Kopfschütteln bei der Weiterfahrt nach Wengen nicht. Walter macht mich auf die Skipiste und die entsprechenden Bauten aufmerksam. Da wäre ich achtlos vorbeigefahren! Nochmals ein Blick zurück zu den 3 Heiligen Eiger, Mönch und Jungfrau, dann gibt uns der Weg den Blick nach Mürren und das Schilthorn frei. Das Drehrestaurant ist deutlich zu sehen. Noch eine Kurve und Wengen ist in Sicht. In Wengen halten wir an einem Gartenrestaurant an und verwöhnen uns mit einer Glacé.

Nach dem Dorf wird’s interessant. Ein breiter Wanderweg mit vielen, steilen Serpentinen führt uns vor der Kulisse der Staubbachfälle nach Lauterbrunnen. Bei einem Abstecher unter die Fälle werden wir ein wenig nass, es ist warm und angenehm. Über gepflegte Radwege rollen wir anschliessend nach Interlaken.

Reich an Eindrücken nehmen wir um etwa halb vier die Bahn nach Buchs ins Rheintal.
Etappe 13
Interlaken–Suldtal–Kiental–Frutigen–Adelboden

Wieder plane ich eine 2-Tages-Etappe, immer mit SchweizMobil. Walter macht zu meiner Freude wieder mit. Für die Übernachtung reserviere ich das Hotel des Alpes, oberhalb Adelboden.

Am 5.Juli 2011 kommen wir, etwa um halb10, nach über 3Stunden bahnfahren von Buchs, in Interlaken an. Am linken Thunerseeufer entlang fahren wir Richtung Äschi, wie üblich bei schönem Wetter, eindrücklich, denn ein so schöner, blauer See fehlt uns im Rheintal. Wir zweigen links ab, die Strasse wird steiler und mündet später in einen mit Gras bewachsenen Wanderweg mit den ersten, steilen Abschnitten. Immer wieder halten wir an und geniessen die geniale Aussicht auf den blauen Thunersee mit den privilegierten Wohnlagen am Ufer.

Nach Äschi biegen wir ins Suldtal ein. Walter bemerkt: „noch nie gehört“. Fast zuhinterst im Tal, in Suld, treffen wir auf einen langen, Baumstamm-Brunnen. Walter weiss, ich muss mich abkühlen, er stoppt. Auf der gegenüberliegenden Talseite trampeln wir wieder zurück in Richtung Frutigtal, auf frischen ansteigenden Wiesenwegen, anstrengend, aber das ist biken! Auf offenem Wiesengelände geht’s weiter auf Wegen mit Grasbewuchs in der Mitte. Wir überholen eine sehr grosse Wandergruppe. Nach freundlichem Grüssen sind wir uns einig, wandern ist schön aber biken ist uns lieber. Darauf klemmen wir uns mit dem Bike zwischen zwei Pfählen durch, wieder auf einem grasigen und ansteigenden Singeltrail. Walter fährt, ich auch, schiebe aber bald. Wir verlassen das Suldtal. Auf einer Bergkuppe steigen wir vom Bike und geniessen nochmals den Blick auf den Thunersee und weit vorn auf Thun. Bald wechselt der Strassenbelag von Schotter auf Asphalt. Hoch über Reichenbach biegen wir ins Kiental ein.

Im Weiler Kiental, mit den braungebrannten Bauernhäusern, steuern wir direkt auf eine kleine Gartenwirtschaft zu und gönnen uns ein Getränk. Wir beide kannten bisher weder das Suldtal noch das Kiental. Jetzt können wir daheim davon reden, aber niemand weiss, von was wir reden. Es geht weiter über einen Bach, mit dem komischen Namen „Chiene“. Nach einem Aufstieg rollen wir über eine waldfreie Kuppe runter und verpassen vorerst die Abzweigung ins Tal. Frutigen ist in Sicht, wir fahren durch. Wir befinden uns endgültig im, für uns unbekannten, Enschligental. Vor uns die alte Adelbodenstrasse, sie steigt und steigt, steil habe ich das Gefühl aber ich habe noch Reserven, ich weiss, was mich noch erwartet, und Walter?

An gepflegten, mit Geranien geschmückten, Bauernhöfen vorbei wird es mit der Zeit etwas weniger steil, ja sogar flacher. Walter wartet rücksichtsvoll wieder an einem Baumstamm-Brunnen. Trinken, kühlen und verpflegen ist angesagt. Gestärkt rollen wir weiter, eine Ortstafel meldet Elsigbach. Nun steigt die alte Adelbodenstrasse wieder markant. Ich fahre hinten nach, unter der Elsigenalp-Bahn durch. Streng ist der Aufstieg. Zum Glück telefoniert meine Frau, eine Verschnaufpause tut mir gut. Weiter oben wartet mein Namensvetter geduldig. Auf Höchst, dem wirklich höchsten Punkt angelangt, treffen wir auf eine Verbotstafel. Wie wir von einer Bauernfrau erfahren, ist der Singletrail zur nächsten Strasse hinunter wegen Waldarbeiten gesperrt. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Es ist 5Uhr nachmittags und Feierabend für Waldarbeiter, wir fahren deshalb trotz Verbot. Zuerst geht es gut, aber bald versperren uns einige gefällte Fichten den Weg. Wir kriechen, das Bike hinter uns herziehend, unter den Fichten durch. Die paar Kratzer sind für Biker ja kein Problem. Wie wir erwartet haben, hat die kommende Strasse Gefälle, da unten ist ja Adelboden, bemerkt Walter. Ich merke es ist ihm noch nicht bewusst, dass wir wesentlich weiter hinauf müssen. Bald kommt ein Anstieg ins Bunderle, wieder ein kleines Quertal, hinein und hinaus, an Adelboden vorbei. Nach der Brücke über die Enschlige wartet mein Kumpan und macht mich auf den hohen Wasserfall hinten im Tal aufmerksam, er fragt: „und jetzt?“. Ich ziehe meine Schweizmobilkarte aus der Tasche und sage dort hinauf. Walter schaut mich ungläubig an, packt wortlos sein Bike und trampelt den steilen Weg hinauf. Hart ist der Pfad, denke ich und trample tapfer aber langsam hinten nach.

Nach etwa zwei Kilometern sehe ich unser Hotel, zu meinem Schreck auf der anderen Talseite. Wir tun so, wie wenn wir es gelassen nehmen würden und fahren weiter. Zum Glück gibt‘s die Eselmoosgasse, die uns auf die andere Talseite führt. Walter wartet und deutet auf das Schild. Ich verstehe und sage: „ Diese Gasse ist nur für Esel“. Wir lachen wieder, beide und rollen hinunter zum Hotel.

Beim vorzüglichen Abendessen sprechen wir von Fakten, fast 70 Kilometer und 2300m Aufstieg, natürlich unsere unfreiwilligen Umwege eingerechnet. Wir sind uns einig, diese Etappe war happig!
Etappe 14
Adelboden–Zweisimmen

Gut geschlafen und ausgeruht tun wir uns am üppigen Morgenbuffet gütlich. Es ist der 6.Juli 2011, ca halb 9Uhr. Wir starten wieder bei bestem Bike-Wetter beim Hotel „des Alpes“ auf 1431müM auf Gilbach oberhalb Adelboden. Nach der gestrigen, schweren Etappe rechnen wir mit einem gemütlicheren Tag. In einer Landschaft mit saftigen Alpweiden fahren wir ins Skigebiet Adelboden-Lenk. Die Luft ist frisch, es riecht nach Gras. Mauersegler, wegen ihrem Ruf auch Spire genannt, zeigen ihre Flugkünste über unseren Köpfen. Es ist still. Nichts ist lauter als wir schnaufenden Biker. Ein Gletscher vom 3244m hohen Wildstrubelmassiv glänzt auffällig im Morgenlicht. Wir erreichen den Hahnenmoospass in der kühlen Morgenluft, ohne nachhaltige Anstrengung. In der Gartenwirtschaft sitzend betrachten wir in südwestlicher Richtung das 3248m hohe, mit Gletschern bedeckte, Wildhorn. Die Aussicht vom Pass ist eindrücklich und für uns neu. Es ist bald 11Uhr, wir beschliessen, uns an die Abfahrt nach Lenk, ins Obersimmental, zu wagen. Eine tolle, schnelle Abfahrt über die Schotterstrasse, manchmal langsamer an Wanderern vorbei, lässt unsere Herzen höher schlagen. Ich bremse ab, tatsächlich ein ganzer Hang voll „Gelber Enzian“, Schnapsenzian nenne ich ihn. Eine fast ein Meter hohe Pflanze mit vielen gelben, in Rosetten angeordneten, Blüten. Genutzt werden die Wurzeln. Wer hat den Enzianschnaps erfunden, die Simmentaler? Das Angebot wäre vorhanden. Im Tal, zwischen grünen Matten, liegt Lenk. Ein Bus fährt vor uns, wir können nicht überholen, deshalb halten wir an. Auf der anderen Seite des Simmentales hat jemand unter dem Flöschhore ein riesiges Schweizerkreuz in den Hang gemäht, ein Patriot?

Nach Lenk führt ein eleganter Radweg der Simme entlang und am Flugplatz vorbei. Halt, interessant, da sehen wir einen offenen Hangar darin einen weissen Hunter, angeschrieben mit Fliegerstaffel 15. Die 2 Männer im beigen Übergewand und mit Fliegerabzeichen auf dem Ärmel, lassen sich nicht stören. Sonst ist auf diesem einsamen Flugplatz nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Ist die Schweizer Luftwaffe zu einem Hobby für Wenige mutiert? In Zweisimmen verlassen wir die Alpin Bike1- Strecke und fahren auf dem Radweg durch schattige Auenwälder und über Wiesenwege, der Simme entlang bis nach Spiez. Eine empfehlenswerte Verlängerung.

In Spiez verladen wir die Bikes selbstverständlich in den Zug und fahren mit vielen Eindrücken zurück ins Rheintal.
Etappe 15
Zweisimmen–Château d’Oex

Eine Etappe in höheren alpinen Regionen ist wegen den Schneeverhältnissen noch ungeeignet. Die westlichsten 2 Etappen der Alpin Bike1-Tour plane ich also mit einer Übernachtung in Château d’Oex im Hotel de Ville. Eine Begleitperson finde ich nicht.

Am 23. Mai früh am Morgen starte ich mit der Bahn in Buchs mit dem Ziel Zweisimmen. Im Berner Oberland reist man in modernen Zugkompositionen, solche sind im Rheintal, am Rande der Schweiz, nur dünn gesät. Nach 4 Stunden bahnfahren komme ich im Bahnhof Zweisimmen an, Das Bahnhofgebäude ist ein besonders kunstvoller Fachwerkbau, darauf ein kleiner Turm mit Uhr.

Im gepflegten Dorf poste ich noch ein Getränk und etwas Verpflegung, also los nach Château d’Oex. Vorbei am Bahnhof Schönried entdecke ich den modernen „GoldenPass panoramic“ und just daneben den antiken“GoldenPass Classic“ angeschrieben mit „Luzern-Interlaken-Montreux“, alles in goldener Schrift. Immer noch über Alphalt rollend erscheint Gstaad. Zum ersten Mal sehe ich Gstaad. Gepflegte Holzhäuser mit Satteldächern, breite, mit Steinen gepflasterte Trottoire, noch junge Schattenbäume, schmiedeiserne Strassenlampen und blumengeschmückte Tröge machen auf mich Eindruck. Die wenigen Leute sitzen auf Bänken und in Gartenwirtschaften. Ein Velofahrer schiebt sein Velo, muss ich absteigen? Langsam fahre ich weiter. Oben auf dem Hügel, alles überragend trutzt das „Gstaad Palace“, etwas für reiche Leute. Auf der Strasse vor mir fällt eine mit Blumen geschmückte Insel auf, darauf der Schweizmobil-InfoPoint und die Wegweiser nach Saanen. Velo und Bikewegweiser zeigen die gleiche Richtung. Vor Saanen fährt es mir durch den Kopf, da bin ich seit dem Start auf einer schönen Velotour nicht auf einer Biketour. Darnach geht’s aber bergauf. Die Strassen werden schmaler, der Verkehr verschwindet, dazwischen fahre ich einmal auf Schotterwegen. Die Landschaft wird bergiger, sie erinnert mich seit Beginn der Tour an das Toggenburg, das ich gut kenne. Auf der Anhöhe „La Pierraille“ auf 1209müM angekommen leiste ich mir eine ausgiebige und späte Mittagsrast.

Es ist halb 3Uhr, der Wegweiser nach Château d’Oex weist auf eine Wanderzeit von 2h10min hin. Die Zeit drängt nicht, ich bin allein und schlafe auf einer Bank fast ein. Während der Weiterfahrt fülle ich meine Wasserflasche an einem Baumstammbrunnen. Es riecht nach Wald und Blumen. Vor mir verschwindet eine Eidechse. Ich steige ab und mit langsamen Bewegungen und viel Geduld gelingt mit ein Foto. Sie ist etwa 30cm lang grau-beige gefleckt und seitlich von Kopf über die Vorderbeine bis zu den hinteren leuchtend hellgrün. Ein sehr schönes Tier. Auf einer Alp angekommen merke ich, dass ich falsch gefahren bin. Die SchweizMobil-Karte hilft mir weiter. Der Karte folgend finde ich einen kaum sichtbaren Wiesenweg, dann eine kleine Öffnung am Waldrand, blumig umrandet mit dem violetten Wiesenstorchenschnabel, roten Nelken und sogar Türkenbundlilien. Ich halte an und ziehe die Luft tief in mich ein. Etwas ungläubig tauche ich über den schmalen, verwachsenen Weg in den dunklen Wald, herrlich, „Wouw“, ein Singletrail von bester Qualität! Allein ertappe ich mich manchmal beim Selbstgespräch. Plötzlich wieder eine Waldwiese, es ist steil, ich schiebe. Nur wenig vor mir springt ein Fuchs über den Weg, ich reisse den Fotoapparat heraus, schon ist er verschwunden. An einem Baumstamm-Brunnen fülle ich meine Flasche. Diese Brunnen sind im Berner Oberland scheinbar Mode. Da stimmt was nicht, ich bin ja im Kanton Waadt. Ich fahre begeistert durch Wald und Wiesen über Singletails bis die Sicht aufs Tal frei wird. Da unten, das muss wohl Château d’Oex sein. Wieder ein „Wouw“, da riecht‘s nach Parfüm. Mit Narzissen übersäte Wiesen sind die Ursache. Ich liege verzückt in die Wiese und platziere meine Kamera mit Selbstauslöser. Walter lass dir Zeit in diesem Paradies!

Nach einer ausgiebigen Rast entscheide ich mich, die Abfahrt unter die Räder zu nehmen. Und was für eine Abfahrt. Über kaum sichtbare, blühende Wiesenwege, verbunden mit Querstrassen, nähere ich mich dem Dorf. Nach vielen Kilometern auf Asphalt bietet diese Etappe dann doch noch phantastische Singletrails. Das Hotel de Ville finde ich sofort und checke mich ein.
Etappe 16
Château d‘Oex–Aigle

Gestern hat mir im Hotel eine freundliche Frau, vielleicht die Chefin, klar gemacht, dass morgens um 6Uhr kein Frühstück bereit stehen werde. Hilfsbereit zeigte sie mir, wie die Kaffeemaschine zu bedienen ist und in welchem Schrank ich die Früchte, das Knäckebrot und vieles andere finde. Am Morgen stelle ich fest, jemand die Schränke verschlossen.

Nur mit einem schwarzen Kaffee im Magen mache ich mich am 24.Mai 2011 auf den Weg nach Aigle. Noch im Morgenschatten und später an der schwachen Morgensonne geht’s über die Saane, hier eben noch „La Sarine“, bald bergauf. In der Schlucht „le Pissot“ fällt mir der rote Kalkfels auf, der in einem subtropischen Meer in geringer Tiefe entstanden sein muss. Auf der anderen Seite der Schlucht ist auffallend die Hauptstrasse wie in den Fels geklebt. Bald erreiche ich eine Alp und anschliessend auf einem Plateau, ein prächtiges Hochmoor. Aber ich bin falsch gefahren und muss zurück, meine Sicht auf die Natur ist aufmerksamer als jene auf die Wegweiser. Weiter oben präsentieren sich farbig blühende Wiesen, wieder mit Narzissen. Nach der Alp „Fenil aux Veaux“ ist der Weg in der taunassen Wiese nicht mehr sichtbar. Die Wanderwegweiser und die SchweizMobil-Karte helfen mir weiter. Meine Kraft lässt nach, ausser Kaffee und Wasser habe ich noch nichts zu mir genommen. Unterwegs fällt mir der rote Schotter auf, Schotter aus dem roten Fels. Kurz darauf, auf der Alp „Les Mossettes“ steige ich ab, denn etwa zwanzig weiss-schwarz gefleckte Rinder kommen auf mich zu. Sie kommen vorsichtig näher, schnuppern an meinem Bike. Ich lasse sie eine Weile gewähren, bevor ich mich zum Gatter begebe und ihn hinter mir schliesse. Die Rinder ziehen hinter mir her, am geschlossenen Gatter, stellen sie sich in Reih und Glied auf und drücken fast die Nase flach. Was sie wohl denken? Weit vorn blicke ich zurück, sie schauen immer noch wie ausgestopft zu mir.

Vor mir breitet sich der „Lac de l’Hongrin“ mit seinen auf alle Seiten gerichteten Armen aus. Eine Landschaft mit dem blauen Stausee auf 1255 müM, seinen weissen Schotterufern, den grünen Weiden und ohne Weiler und Dörfer liegt vor mir. Zusätzliche Abwechslung bringt eine Abfahrt über Wiesenwege. Vor der Mündung in eine Querstrasse fahre ich fast in eine Weg-Sperre mit einem Stacheldraht. Ich denke, bei uns in der Ostschweiz wäre das nicht möglich, auf einer nationalen Tour schon gar nicht. Ich habe Hunger, fühle mich schwach und mag fast nicht mehr trampeln. Vor einer lieblichen Alpweide mit entsprechendem Singletrail probiere ich mich durch ein Wanderkreuz zu zwängen, keine Chance! Ich schwinge mein Bike über den 3-fach mit Stacheldraht bespannen, hohen Zaun und schaue, dass mein Bike nicht gegen den Stacheldraht, sondern in Richtung Weide fällt. Das ist schon mehrfach vorgekommen.

Endlich bin ich auf dem Col des Mosses. In einem kleinen Laden besorge ich mir etwas zum Essen und Trinken. Noch vor dem Laden schlumpfe ich einiges in mich hinein. Wieder geht’s bergauf, es geht mir besser. Noch nicht weit gefahren traue ich meinen Augen nicht. Scharfes Bremsen verhindert mir garantiert zwei platte Reifen, hinten und vorn. Auf dem schmalen Wiesenwanderweg liegen 2 Stacheldrähte, nicht quer, sondern längs und mitten auf der Fahrspur und das auf der „Schweizmobil Alpin Bike1“-Strecke. Ich glaube diese Bauern mögen die Biker nicht. Ein Foto hält das Unglaubliche fest. Das bisschen Zorn ist bald verflogen. Hoch über Leysin, vor einem Stacheldrahtzaun stehend, schaue ich schon ins Wallis. Eine prächtige Aussicht! Auf der gegenüberliegenden Seite erblicke ich die schneebedeckten, über dreitausend Meter hohen „Dents du Midi“. Nach Leysin steigt der Pfad nochmals ein wenig an, es lohnt sich. Durch Forstwege und Singletrails im Wald entfliehe ich dem Stacheldrahtland. Über sichere Alphaltwege rausche ich in die noch wenig belaubten Rebberge von Yvorne und anschliessend durch jene von Aigle. Bei diesen Namen läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Auf der mehr als 4-stündigen Zugfahrt nach Buchs im Rheintal lasse ich nochmals die westlichsten 2 Biketouren vor meinen Augen passieren. Sie sind fester Bestandteil des fantastischen „Alpin Bike1-Erlebnis“ und habe sie, trotz Stacheldraht, in guter Erinnerung.
Fakten

Biker stellen verschiedene Ansprüche an die Wegbeschaffenheit. Wer Singletrails und Schotterstrassen liebt, kommt östlich vom Gotthard auf seine Rechnung, geteerte Strassen sind westlich davon vorherrschend.
Mit dem Bericht möchte ich ältere, noch rüstige Gelegen- heitssportler motivieren, dieses Abenteuer zu erleben. Mein Ziel war eine Überquerung der Schweizer Alpen mit dem Bike. Aus meiner Sicht ein hohes Ziel, nein ein Traum. Die Etappen sollten innerhalb zweier Jahre in Ein- und Zweitagestouren gefahren werden – es wurden drei Jahre.
Mit meinen Beschreibungen möchte ich ältere, noch rüstige Gelegenheitssportler motivieren, dieses Abenteuer zu erleben.

Als ich SchweizMobil mit seinen Biketouren im Internet kennen lernte, hat es mich gepackt. In meiner beruflichen Übergangsphase zur Pension verfügte ich über etwas mehr Freizeit, die ich für Bike-Erlebnisse nutzen wollte, solange mein Körper noch mitmacht. Mein Ziel war also eine Überquerung der Schweizeralpen mit dem Mountainbike über Wanderpässe von Ost nach West. Und zwar reizten mich die 16 „AlpinBike1“-Etappen von Scuol nach Aigle. Aus meiner Sicht ein hohes Ziel, nein ein Traum. Die Etappen sollten innerhalb zwei Jahren in Ein- und Zweitagestouren gefahren und erlebt werden, also nicht in einem Stück, es wurden drei Jahre. Der Grund war nicht nur, die noch berufliche Bindung, sondern auch weil ich ein Schönwetterbiker bin, der gerne die schönen Tage nutzt. Darum schränkten oft das regionale Wetter und die Schneelage die Wahl der Etappen ein. Die Reihenfolge wollte ich nicht unbedingt einhalten.

Ein paar einleitende Biketouren im meiner Umgebung halfen mir die nötige Kondition einzuschätzen. Parallel zu den 16 Alpinetappen fuhr ich auch ähnliche Tagesausflüge. Ich bin ja kein richtiger Sportler aber ein Greenhorn bin ich wohl auch nicht. Mein Wohnort in Buchs im Rheintal war und ist geeignet mit Auto, der Bahn und dem Postauto die Etappen östlich vom Gotthard in Eintagesetappen und westlich davon in Zweitagesetappen zu planen. SchweizMobil bietet zu jeder Etappe nützliche Tipps an. Die von SchweizMobil angegebene Schiebezeit übertraf ich meistens massiv. Ich druckte immer eine Karte (1:50'000, farbig) aus und ein Höhenprofil. In letzter Zeit habe ich angefangen nicht nur die Karte zu drucken, sondern ich generiere GPS-Daten mit der SchweizMobil-Karte und lade sie auf mein GPS-Gerät. Als alter Wanderer weiss ich Kleidung und Verpflegung zu wählen und das Risiko bei kritischen Passagen zu minimieren. Wenn möglich wollte ich auch nicht allein fahren.

Nun ist mein Traum Wirklichkeit, eine fantastische Strecke! Die 16 Etappen sind unfallfrei gefahren und beschrieben. Der nächste Traum mit SchweizMobil kommt bestimmt, denn ich bin jetzt definitiv pensioniert.
Etappe 1
Scuol–Costainaspass–Tschierv

Früh am Morgen am 21.7.2009 fuhren meine Tochter Karin und ich mit dem Auto nach Landquart und anschliessend in einem Velowagen der Rhätischen Bahn durch das Prättigau nach Ardez. Das seitliche Sitzen im Velowagen bekam mir gar nicht gut, mir wurde vorübergehend schlecht. Scuol war wegen dem Bahnhofneubau nur mit dem Postauto erreichbar. Deshalb beschlossen wir mit dem Bike nach Scuol zu fahren.

Schon gegen 8Uhr und etwas unterkühlt finden wir die Abzweigung ins Val S-charl. Auf der Brücke mit dem gediegenen Eisengeländer lohnt es sich einen Blick zurück auf Scuol zu werfen. Teils über Asphalt, teils über Kies trampeln wir, eher gemütlich, das wilde, steinreiche Tal hinauf. Noch in kühler Luft und fast ohne Verkehr geniessen wir die Sicht auf den ungebändigten Fluss „Clemgia“. In S-charl angekommen fallen uns die gepflegten Engadinerhäuser mit den einladenden Restaurants auf. Am Dorfbrunnen mit seinem Bär, füllen wir unsere Wasserflaschen. Es treffen schon die ersten Postautos mit Touristen ein. Nun gilt es diesem plötzlichen Rummel zu entfliehen.

Der Weg führt uns weiter der munteren Clemgia entlang über ungeteerte Alpstrassen. Vor uns präsentieren sich grüne Alpweiden bei tief blauem Himmel. Der moderate Aufstieg wird nur mit kurzen, steilen Passagen unterbrochen. Laut schnaufend schaffe ich es knapp ohne Absteigen. Der Altersunterschied ist offensichtlich. Unterwegs informiert uns eine Tafel über die Namensgebung des rauen, steinigen Piz Amalia. Wer früh unterwegs ist kann sich auch kulturelles leisten, also studieren wir die Beschreibung. Die junge Prinzessin Amalia, Jahrgang 2003, gehört zur Königsfamilie der Niederlande, die schon lange enge Beziehungen zum Engadin haben. Hoffentlich bleibt die Prinzessin fein und zart und nimmt nicht zu viel vom Berg an. Auf der Alp Astras angekommen, gönnen wir uns eine Rast und probieren das angebotene, erfrischende Joghurt.

Anschliessend fordert uns ein perfekter Singletrail. Wir durchqueren kleine Bachläufe, schlängeln durch Legföhrenwälder, und geniessen Wiesenpfade bis zum Pass Costainas (2251 müM). Die Uhr zeigt erst etwas über 11 Uhr. Also können wir uns getrost schon wieder eine Rast leisten. Nach dem kommenden Ferienhäuschen geht es steil bergab. Also den Sattel runter, die Federung auf „on“, aufs Bike steigen und den Hintern hinter den Sattel. No risk no fun! Wer es sich zutraut fährt runter über die Felsplatten. Eine Zeit lang ist man mit seinen Fahrkünsten beschäftigt und sieht kaum die schöne Natur, es sei denn man legt einen Stopp ein. Durch Kiesstrassen an markanten Felsen vorbei und an südlichen Hängen mit blühenden Wiesen erreichen wir Lü, das kleine Dorf mit seiner eigenartigen politischen Kultur. Weiter fahren wir zügig nach Tschierv hinunter. Die Tour war konditionell moderat.

Trotzdem steigen wir in Tschierv ins Postauto. Ich löse 2 Velo und 2 Personen auf den Ofenpass. Auf die Frage des Chauffeurs: „Für ihre Frau“? Entgegne ich vehement: „Nein das ist meine Tochter“! Die Gäste im Bus quittieren den Disput mit Gelächter. Nachdem wir die Strecke vom Ofenpass bis Zernez mit dem Mountainbike zurückgelegt hatten, fuhren wir mit der Rhätischen Bahn wieder zurück nach Landquart zum Auto.
Etappe 2
Tschierv–Val Mora–Livingo

Diese Königstour habe ich schon zweimal gefahren, am 6.8.2009 mit Richard und zum zweiten Mal zu viert am 11.8.2011 mit Horst, Janos und Walter. Die Tour lohnt sich, es sind uns unvergessliche Erlebnisse geblieben.

Janos sammelt uns im Rheintal ein und fährt bis Punt La Drossa vor den Tunnel zu Livigno. Mit dem Postauto lassen wir uns auf den Ofenpass transportieren wo wir einen Kaffee trinken und ein Gruppenfoto schiessen. Dann auf der Passtrasse halten wir immer wieder an, in südlicher Richtung überragt der hohe Ortler mit seinem Gletscher den Gebirgszug vom Münstertal. Die Abzweigung auf die rechte Seite des Tales erwischen wir sicher und fahren an kleinen Weilern und einem hölzernen Bär über Naturstrassen vorbei ins Val Vau. Die anhaltend aufsteigende Schotter-Strasse ist garniert mit alten Lärchen und dunkelgrünen Legföhren. Wer die Umgebung noch wahrnimmt, geniesst den üppig blühenden Strassenrand. Als Ältester fahre ich zwangsläufig zuhinterst. Bei einem kurzen Halt diskutieren Walter und Horst angeregt über den gegenwärtigen Standort. Sind wir bald oben? Der Aufstieg ist weiter abwechslungsreich und stetig steigend. Endlich auf der Passhöhe Döss Radond auf 2234 müM angekommen präsentiert sich uns das gelobte Val Mora. Unsere Bikes liegen auf der Weide. wir verpflegen uns, umgeben von staunenden und schnuppernden Rindern. Übrigens findet man auf der ganzen Strecke keine Verpflegungsmöglichkeit, was man braucht, nimmt man mit.

Gut gelaunt schwingen wir uns auf die Bikes und nehmen die Schotterstrasse unter die Räder. Und was für ein Gefühl. Horst grinst (sorry) fast ununterbrochen, Walter winkt und winkt wenn er fotografiert wird, Janos, der Rennvelofahrer, riskiert Bachüberquerungen und ich ertappe mich beim Singen, dieses Tal, diese Berge dieses Wetter, dieser ungebändigte Flusslauf, einfach fantastisch. Der Fahrweg mündet später auf einer grossen Wiese in einen interessanten Singletrail und dieser durchquert anschliessend einen Legföhrenwald. Nach dem Überqueren einer Holzbrücke, ein geeignetes Fotosujet, steigen die technischen Anforderungen gelegentlich an. Nach kurzen, prägnanten Buckeln auf Geröllhalden erreichen wir die Grenze zu Italien. Wir setzen uns zu einer Rast auf einer kleinen Wiese zusammen, die einen in der Schweiz, die andern in Italien, so will es der Grenzstein zwischen uns.

Über den Passo Val Mora Cruschetta 1934müM, den schwachen Aufstieg haben wir nicht bemerkt, erreichen wir den flachen Stausee „San Giacomo di Fraele“. Verfallene Gebäude säumen den See und gespenstige Ruinen ragen aus dem Schlamm, zur Überflutung wieder bereit. Am Ufer lassen sich ein paar italienische Touristen zum Picnik nieder. Ein Blick auf die „SchweizMobil-Karte“ holt uns von der gemütlichen Einstellung zur Tour zurück auf den Boden. Auf dem italienischen Wegweiser stellen wir eine Wanderzeit von 1Std und 40 min bis zum Passo Alpisella fest. So, so, da gibt es kein Ausweichen. Ein steiler, langer Aufstieg fordert also nochmals alle unsere Kräfte. Auf dem Pass angekommen sind wir nicht allein, viele Wanderer und einige Biker sitzen schon am See. Während unserer Rast ist jedoch die Abfahrt ein Thema, wie sie wohl werden wird. Eine geniale Abfahrt über steile Schotterstrassen, die wir nicht in Gegenrichtung fahren möchten, da sind wir uns einig. In der Nähe vom Livignostausee, schlängelt sich am steilen Abhang der geländerlose, breite Weg in einer Postkartenlandschaft in Richtung des ersehnten Restaurants am See. Nach einem feinen Getränk radeln wir nach Livigno um mit dem Shuttle-Bus wieder zum Stausee und dann durch den Tunnel wieder in die Schweiz zu gelangen.

Aufgepasst, der Shuttle fährt zum letzten Mal um 16 Uhr 10. Bei der ersten Tour mit Richard liessen wir uns zu viel Zeit beim Bier und verpassten den Bus. Unwissend wollten wir mit dem Bike durch den Tunnel fahren. Die Frau in der Mautstelle auf dem Staudamm klärte uns über das Verbot für Velofahrer auf. In diesem Moment fuhr ein Rennvelofahrer mit grossem Tempo vorbei. Die Frau schrie und pfiff durch die Finger und war ganz ausser sich, sprang ans Telefon und informierte wahrscheinlich die andere Seite vom Tunnel über den Bösen. Wir schauten uns an, da war nichts zu machen!

Wir waren uns einig, in Livigno wollten wir nicht übernachten und suchten Lösungen. Die Idee: mit Autostopp auf die andere Seite vom Tunnel, das Auto holen und dann hier die Bikes laden und zurück. Wir unterrichteten die Frau in der Mautstelle über unser Vorhaben, die sofort einen Autofahrer überreden konnte, mich auf die andere Seite zu chauffieren. Es klappte, Richard und ich waren ihr dankbar.
Etappe 3
Livigno–St.Moritz

Ich hatte mich lange gesträubt, diese Etappe zu fahren, da ein langer Anfahrweg und nichts Besonderes auf ein schönes Erlebnis hin deutete, weit gefehlt! Am 17.8.2011 hatte ich mit Walter wieder ein Opfer gefunden. Auf der Tour fühlte er sich zwar eher als Glückspilz.

Er holt mich in Buchs ab und wir fahren zusammen nach Zernez und anschliessend mit dem Postauto nach Livigno. Selbstverständlich bei strahlendem Sonnenschein radeln wir bis zum Stausee und dann links ins blühende Valle di Federia, dem blauweiss schimmernden Bach entlang, über angenehme Schotterwege, bis zur Alp Mortarec. Das kam mir komisch vor. Einige Pferde schauten uns auch zu, wie wenn sie sagen wollten, was macht ihr denn da. Die Abzweigung zum Pass Chaschauna war verpasst. Aber da war doch weiter unten ein Wegweiser nach rechts, der hiess „La Pedaleda“ und gerade aus unser Schweizer Bike-Wegweiser „Alpin Bike Nr.1“. Das haben wir berücksichtigt und jetzt - doch falsch! Nach der ausgedruckten „SchweizMobil-Karte“ müssen wir umkehren. Kein Problem, der Tag ist noch jung und wir fahren etwas zurück.

Über eine Abkürzung finden wir dann doch noch den richtigen Weg. Mein durchtrainierter Namensvetter Walter trampelt unbekümmert die Abkürzung hoch, was mir, dem Pensionär, nur in kurzen Stücken gelingt. Der richtige Weg wird immer steiler und ruppiger. Er wird so steil und grob, dass wir uns fragen, ob da nur Panzer verkehren? Walter hebt das Bike auf die Schulter, schieben ist ihm zu anstrengend. Die Luft wird immer dünner, die Beine langsamer und plötzlich das Restaurant in Sicht. Dort trinken und essen wir etwas Weniges und geniessen die Aussicht. Da, was ist das? Ein Biker der 2 Bikes trägt? Da kommt einer hoch und trägt 2 Bikes gefolgt von seinem Kollegen ohne Bike. Das müssen gute Kollegen sein!

Wir greifen wieder zu unserem Drahtesel und schieben ihn in Richtung Pass Chaschauna. Ich blicke hinauf und sehe Walter das Bike stemmen, er ist also oben auf 2694müM. Das ist der höchste Pass, den wir beide mit dem Mountainbike bisher erklommen haben. Aus dem Zeitvermerk 3 ¼ Std auf dem Wanderwegweiser nach S-chanf, interpretieren wir für uns eine lange Abfahrt. Es sollte nicht nur eine Lange sondern eine der Schönsten werden. Wir haben uns auf abwärts schieben eingestellt, aber nein, vor uns liegt ein frisch präparierter, sehr steiler, aber hervorragend zu fahrender Pfad. Die Kurven nicht zu schnell nehmend und manchmal hinter dem Sattel sitzend fotografieren wir uns vor Freude immer wieder. Das weitgehend unberührte Tal nehmen wir erst auf der Ebene zur Kenntnis. Der folgende, unbeschwerte Singletrail, Bächlein durchquerend, lässt in uns weitere Glücksgefühle hochkommen. Wir rollen durch dieses Tal, das mit seinen hohen Bergen, dem reissenden Fluss, der Blumenpracht und den extensiv genutzten Weiden eine Augenweide ist, wie so viele, wenig bekannte Seitentäler des Engadins. Wir bremsen und halten an. Da steht ein noch bedeutend älterer Herr auf der Strasse, den wir als Fotograf anstellen wollen. Als er unsere Fotokamera in der Hand hält und vor uns mühsam niederkniet, um von uns ein möglichst schönes Foto zu machen, ist es für uns fast peinlich. Wir nehmen es mit Humor und bedanken uns nach einem interessanten Gespräch.

Im blumengeschmückten S-chanf angekommen, nehmen wir Kurs auf St.Moritz, so wie die Tour von SchweizMobil es will. Wir wechseln sinngemäss von einer Biketour zu einer Velotour, denn die Wege sind geeignet für Velos. Ein Veloweg in hoher Qualität führt uns dem Inn entlang. Am Rand die blühenden, hohen Weideröschen und der silberblaue Inn begleiten uns bis zu den natürlich, künstlich angelegten Seen vor Samedan. Im Flughafen startet gerade mit viel Getöse ein Privatjet. Mit dem scharfen Malojawind haben wir nicht gerechnet, er bringt uns ins Schwitzen. Dem Bikeweg folgend gelangen wir durch den Statzerwald zum Laj da Statz. Es geht zwar bergauf, aber ohne Wind ist es erträglich, zumal wir am Laj da Statz uns ein kühles und teures Weizenbier gönnen.

Von St.Moritz führte uns die Bahn wieder nach Zernez, zu unserem Auto.
Etappe 4
St.Moritz–Septimerpass–Bivio

Diese Tour nahmen meine Tochter Karin und ich in Gegenrichtung unter die Räder. Tiefencastel erreichten wir am 29.Juli 2009 mit dem PW und anschliessend Bivio mit dem Postauto. Kurz vor 8Uhr starten wir von Bivio in Richtung Septimerpass. Über Asphalt- und dann über Schotterstrassen geht es moderat steigend, zuerst dem Bach und an Alpgehöften entlang. Nach dem ersten, deutlicheren Aufstieg breitet sich ein grünes Hochtal mit schlängelndem Bach aus. Die nächsten Kehren bedeuten den Hauptaufstieg zum Septimerpas, den wir nach etwas über einer Stunde bei blauem Himmel und klarer Sicht erreichen. Vor uns präsentieren sich die Dreitausender vom Bergell. Beim Seeli machen wir Rast. Zwei Biker überholen uns in gleicher Richtung und halten an. Wir schiessen gegenseitig Fotos. Sonst ist die Gegend menschenleer.

Beim Beginn der Abfahrt halte ich ein Moment inne. Ist das vor uns der Weg oder der Bach. Es ist eindeutig der Weg. Wacker steinig und ausgewaschen ist er, Karin schiebt, ich probiere technisch zu fahren. Weiter unten treffen wir auf die 1991 renovierte und für diese Gegend typische Steinbrücke. Davor gelingt uns ein Foto mit dem Selbstauslöser. Der Weg wird immer steiler, der Bach lauter, ich fange auch an zu schieben bis der Weg in einen Grashang mündet. Die am Anfang geplante Richtungsumkehr der Tour ist wahrscheinlich keine schlechte Idee. Es reizt wieder zu fahren aber es schüttelt mein Fully so verrückt, dass meine Tasche auf der Lenkstange aus der Halterung springt und die Geröllhalde weit hinunter purzelt. Meine Fotokamera ist zwar verbeult, funktioniert aber noch.

Über Schotterstrassen erreichen wir Casaccia. Wir nehmen die Hauptstrasse über die Kehren zum Malojapass. Meine Tochter Karin klettert schneller, denn sie ruft zu mir herunter: „Vater so langsam kann ich nicht fahren, sonst falle ich um, ich warte oben“. In Maloja, treffen wir um Mittag ein, finden sogleich ein Gartenrestaurant wo wir gut essen. Anschliessend hilft uns die „SchweizMobil-Karte“ den Einstieg in die rechtsseitige Route am Silsersee zu finden. Der leicht zu fahrende, jedoch etwa 200m ansteigende Weg gibt uns eine phantastische Sicht auf den Silsersee und auf den Weiler Isola frei. Bei diesem Wetter ein Genuss und zu empfehlen! Der Weg führt in eine Alp und darauf auf einem Singletrail zum unteren Teil des Val Fex.

Auf der Abfahrt nach Sils Maria begegnen wir einem Pferdegespann mit Touristenkutsche. Nach dem schmucken und reich anmutenden Sils Maria fahren wir auf dem stark mit Fussgängern und Velofahrern frequentierten, breiten Weg dem tiefblauen Silvaplanersee entlang. Wir beobachten gegen hundert Kite-Surfer, heile Welt im Oberengadin. Entgegen dem Etappenziel St.Moritz steuern wir Samedan an. Wir überqueren denn Inn, fahren an der Sprungschanze und an einem Badesee vorbei, bevor wir den Statzerwald und den Laj da Statz erreichen. Nach der Abfahrt durch den Statzerwald zweigen wir über Velowege nach Samedan ab. Mit eindrücklichen Gegensätzen von kargen Alpen und reichen Siedlungen erreichen meine Tochter und ich etwa um halb 4Uhr Samedan. Dort besteigen wir den Zug nach unserem Ausgangsort Tiefencastel.
Etappe 5
Bivio–Tiefencastel

Von dieser Etappe erwarte ich nichts Spektakuläres, deshalb würze ich sie mit dem Abstecher zur AlpFlix. Meine liebe Tochter Karin lässt mich wieder aus Sicherheitsgründen nicht allein fahren, was meine Frau so eingefädelt hat. Bei trübem Wetter begeben wir uns mit dem Auto am 30.August 2011, nach Tiefencastel. Es ist 9Uhr als wir mit dem Bus in Richtung Bivio losfahren. Im noch kühlen Bivio radeln wir etwas zurück und dann im Wald über die ansteigende, Schotterstrasse bis zum Hang ob Marmorera. Entgegen der Alpin Bike1-Route stechen wir nicht nach Marmorera hinunter, sondern steigen weiter bis zur ersten Rechtskurve. Etwas darnach ist am Waldrand mit etwas gutem Willen ein Alp-Flix-Wanderwegweiser zu finden. Obwohl über zwei Kilometer keine Höhenmeter erarbeitet werden, ist der Weg eben ein Wanderweg zum Schieben, besonders an Anfang. Die Sonne verdrängt den Nebel allmählich, als wir „Gruba“ erreichen. Der Name dürfte von Grube kommen. Also, Augen auf! Wir finden dort tiefe Mannshohe Löcher im Fels, wo im Mittelalter Eisen, Kupfererze, Mangan und sogar Silber gewonnen wurde. Nach zwanzig Minuten bergwärts schieben, erreichen wir die ersten Gehöfte auf der Alp Flix. Eine weite Ebene tut sich vor uns auf. Fahren tut gut. Es ist Mittag, wir kehren im „Berghaus Platta“ ein.

Nach dieser Stärkung wollen wir zu den Lais da Flix. Sie präsentieren sich in einer hügeligen Landschaft, fast lieblich zwischen frei stehenden Fichten und Wachholdersträuchern. Im blauen Wasser spiegeln sich die weissen Wolken, die Fichten und die Berge. Der Abstecher hat sich gelohnt. Wir fahren hinter den Seen und biken und tragen das Ding den Wanderweg hinunter zum Lai Neir. Kurz danach treffen wir auf die Strasse, die in Richtung Süden weiter führt und die offizielle Alpin Route Nr1 trifft. Über fast nicht endende, doch sehr schön zu fahrende Forststrassen erreichen wir Tinizong und anschliessend Savognin. Im Oberhalbstein, an der linken Flanke vom Tal durchfahren wir gemütlich kleine Dörfer min noch nie gehörtem Namen. In Mon beim letzten zweigen wir ab in einen gut zu fahrenden, spannenden Singletrail zu unserem Ausgangspunkt Tiefencastel, ein spassiger Abschluss! Um ca.15 Uhr fahren wir zurück.
Etappe 6
Tiefencastel–Glaspass–Safienplatz

Den Bericht dieser Etappe setze ich aus 2 gefahrenen Teil-Etappen zusammen. Die erste Teil-Etappe Tiefencastel-Thusis am 16.4.2010 und die zweite Urmein-Glaspass-Safienplatz am 21.7.2010.

Von Tiefencastel fährt man am besten der Bahnlinie entlang nach Westen. Schon bald kommt man an einer sehr alten Kapelle vorbei, die es lohnt innen zu besichtigen. Sie wurde vor 1200Jahre schon schriflich erwähnt! Etwas später fährt man über die Hauptsrasse nach Alvaschein. Den Hang entlang zieht eine kaum leicht ansteigende Strasse, in der Mitte mit Gras bewachsen, bis zum Tobel, herrlich zum Biken. Auf der anderen Seite steigt eine Asphaltstrasse durch Zorten und Muldain. Vom Schwitzen klatschnass angekommen, kühle ich mich am Brunnen bei der Kirche. Über einen Schotterweg gelangen wir zum Aussichtspunkt an der Schinschlucht. Hier lohnt sich eine ausgiebige Rast, wenn nicht gerade stinkende Ziegenböcke dort weiden. Die Schinschlucht bis nach Scharans ist eine sehr lohnenswerte Strecke. Der imposanten Felswand entlang blühen blaue Leberblümchen, sogar weisse Albino sind darunter. Die feinwellige Felsstruktur am rechten Wegrand war vor Millionen Jahren beim Abgleiten der Ablagerungen an einem tiefen Meeresabhang entstanden. Nach diesen Beobachtungen rollt man durch einen beleuchteten Tunnel weiter und schaut manchmal auf die Autostrasse hinunter. Eine wilde Gegend welche die Autofahrer dort unten nicht wahrnehmen.

Nach Thusis, beim Aufstieg zum Glaspass sind über 1100 m zu überwinden. Die Strassen sind jedoch alphaltiert, bei Umfahrungen sehr steil und der Verkehr lebhaft. Die Terrasse vom Gasthaus Beverin am Glaspass ist ein geeigneter Platz, die zu Ende gehende Etappe zu geniessen. Die Abfahrt nach Safienplatz wird oft als gefährlich eingestuft. Ich habe sie nicht so erlebt. Denn auch hier gilt, Sattel runter, bei kritischen Stellen hinter den Sattel sitzen und nur das fahren was man sicher beherrscht. Für mich sind daraus sehr viele Schiebepassagen entstanden.
Etappe 7
Safienplatz–Tomülpass–Lumbrein

Zwei Herren im Pensionsalter riskieren den Tomülpass mit dem Moutainbike. So würde es wahrscheinlich in der Zeitung stehen, wenn uns ein Sportreporter zugeschaut hätte. Am 22.8.2011 treffen Richard und ich noch vor 9 Uhr mit dem Postauto in Turrahus, im Safiental ein. Die Strecke von Safienplatz bis hier haben wir uns gespart. Nach einem Kaffee im Restaurant schwingen wir uns auf die Bikes. Soweit kommen wir gar nicht, wir müssen absteigen. Wir Wanderer, ausgerüstet mit einem Bike, schieben es unverdrossen fast zwei Stunden bis zum Tomülpass, SchweizMobil schreibt 20Minuten. Es ist ein schöner breiter Weg, für junge Biker bestimmt fahrbar. Turrahus ist noch im Schatten, wir aber wandern zufrieden an der Sonne. Der wolkenlose Himmel und die Aussicht begeistern uns. Ein Stück Betonstrasse erlaubt uns wieder zu fahren. Etwa um halb zwölf kommen wir auf dem Pass an, auf 2412müM. Wir richten uns zum Picnik ein und beobachten noch einen Wanderer. Sonst ist die Gegend menschenleer. Neben uns ist auf einer Betontafel ist eingeritzt: „Diesen Weg haben polnische, internierte Soldaten gebaut 1941“. Zu dieser Zeit war ein Biker auf diesem Weg noch unvorstellbar.

Wir rüsten uns zum Downhill. Alles einpacken, festbinden, den Sattel runter und die Federung einschalten und los geht’s. Eine Strecke, ein Genuss und für routinierte Biker fast voll zu fahren, bei höherem Risiko schiebe ich ein paar Meter. Der Weg zeigt sich manchmal steinig, dann sandig, wieder mit Stufen und Felsen und kurz darauf mit Gras bewachsen, sehr abwechslungsreich. Ich habe mir angewöhnt, regelmässig anzuhalten um die Landschaft zu geniessen und damit die Abfahrtszeiten zu verlängern. Am Ende des Hochtals mit seinem schlängelnden Bach flattern 2 Mauerläufer am Felsen. Ein eher seltener, farbiger amselgrosser Vogel. Er breitet seine rot-schwarzen Flügel mit weissen Tupfen wie ein Schmetterling am Fels aus, wenn er Insekten sucht. Ein Stück weiter vorn öffnet sich der Blick ins Valsertal und dann auf Vals. Ich frage an einer Abzweigung: “links oder rechts“? Richard entgegnet: „Willst du den Wanderweg hinunter?“. Von Wanderungen kenne ich den geröllreichen und steilen Wanderweg und ziehe darum die Schotterstrasse vor. In Vals, in einer Gartenwirtschaft, geniessen wir ein Getränk. Hier trennen wir uns wie geplant und ich fahre allein weiter. Die breite Strasse von Vals bis Uors ist bald zurückgelegt. Die Strecke Uors-Lumbrein findet auf guten Strassen statt, ist mit ca 600Meter Aufstieg aber nicht zu unterschätzen.
Etappe 8
Lumbrein–Disentis

Auch diese Etappe setze sich aus 2 Teiletappen zusammen. Die Erste von Lumbrein nach Obersaxen am 5.10.2011, die Zweite von Zignau nach Disentis, die ich schon oft gefahren bin. Zum dritten Mal radle ich über die AlpNova, diesmal mit Bikekollege Walter. Die ersten Höhenmeter ab Lumbrein sind auf einer recht steilen Alphaltstrasse zurückzulegen. Ein Verbindungsstück zur nächsten Alphaltstrasse ist anfangs auch steil, bringt aber Abwechslung. Am Ende lohnt sich die Anstrengung. Ein Blick über das Lugnez bis zum Ringelspitz und Calanda bestätigt die Bezeichnung „Lugnez-Tal des Lichts“. Die erreichte Asphaltstrasse führt durch einen Vogelbeerbaum-Wald von seltenem Ausmass. Im Frühjahr verbreiten die Blüten einen penetranten Geruch, der mir das Atmen nicht zum Vergnügen gemacht hat. Jetzt im Herbst sind die massenhaft an den Bäumen hängenden, roten Beeren zum Teil schon von den Vögeln abgeerntet. Bei der Alp Sezner finden wir eine Bank an der warmen, braun verwitterten Südwand eines Blockhäuschens bei der Skibar, die sich zum Picknick eignet. Vor uns wartet nochmals ein Kilometer leichte Steigung bis zur Alp Nova. Auf dem Pass angekommen entfährt Walter ein Wouw! Diese plötzliche Aussicht auf die Brigelser Hörner und den Tödi.

Darauf eine Abfahrt auf Schotter und dann ein Singletrail auf der Wiese. Heute, bei schönstem Wetter sind noch die Nachwirkungen des vergangenen Regenwetters zu beachten. Pfützen und tiefe Sumpfstellen erhöhen die technischen Ansprüche an den Fahrer. Wir kommen heil durch. Nach kurzen intensiven Steigungen auf Schotterstrassen biegen wir um die Ecke ins Skigebiet Obersaxen. Im Weiler Wali kehren wir in einer Gartenwirtschaft ein und geniessen ein schäumendes Getränk. Zurück bis St.Martin hinunter fährt man auf Asphalt. Die Strecke bis Zignau kenne ich nicht, dürfte aber interessant zu Fahren sein. Zignau ist mit Disentis mit einem angenehmen, fein geschotterten oder teilweise sogar asphaltierten Veloweg verbunden, der durch Rheinauen und über originelle Brücken führt. Einzig vor Disentis will die Route Alpin Bike 1 noch über das Dörfchen Cavardiras. Hier haben mir schon Frauen, ich glaube vom Kirchenchor, Speis und Trank verkauft, dessen Erlös dem Verein zugutekam. Wenn man anschliessend ins Dorf Disentis will, verlässt man die Alpin Bike1-Tour und zweigt über die erste Brücke am Rhein ab, wo man sich wieder auf dem Veloweg befindet.
Etappe 9
Disentis –Maighelspass–Andermatt

Mangels Teilnehmer fahre ich diese Etappe allein. Ich lasse auch die Strecke von Disentis nach Tschamut aus, denn ich bin die Surselva schon so oft gefahren. Allein die Strecke bis Disentis ist schon eine Etappe, wenn auch eine leichte. Ich nehme mir den Leckerbissen über den Maighelspass vor. Nach einer Übernachtung in der Surselva parkiere ich in Tschamut am 19.August 2009 in aller Herrgottsfrühe, also noch vor 5Uhr. Es ist noch dunkel, der Tag kündigt sich erst ganz schwach an. In der Streckenbeschreibung von SchweizMobil wird von einem schweisstreibenden Aufstieg gesprochen, den ich am kühlen Morgen vermeiden will. Vor dem Oberalppass verlässt die Bikeroute die Hauptstrasse in Richtung Val Maighels. Etwas später zweigt die vielbegangene Wanderroute zum Thomasee, zur Rheinquelle ab. Ich bleibe auf der Naturstrasse und steure, beobachtet von neugierigen, gerade aufstehenden Kühen, in Richtung Maighelshütte.

Den Kaffeegeruch schon in der Nase, packe ich den kleinen Umweg zur Hütte. Die Fahne ist gehisst, alles scheint noch ruhig. Das Bike lege ich auf die Terrasse und trete in die Hütte. Gemurmel von Wanderern und Kaffeegeruch tritt mir entgegen. Eine freundliche Frau bereitet mir einen Kaffee zu, den ich einsam auf der Terrasse trinke. Inzwischen war die Sonne aufgestanden und beleuchtet das Tal und den Weg, den ich unter die Räder nehmen will. Die Berge erscheinen in einem goldenen Licht. Der Singletrail entpuppt sich über weite Strecken als gut fahrbar bis zu einer Treppe die eben tragen verlangt, etwas Schieben muss ich dann doch noch. Noch im Schatten tut sich eine kleine Hochebene mit dem mäandrierenden (schlängelnden) Bach auf. Eine bescheidene, hoffentlich stabile Holzbrücke lädt zum Überqueren des Baches ein. Weit und breit nur Natur, glaube ich. Doch der Pfiff eines Murmeltieres warnt vor dem frühen Biker. Mikrig komme ich mir vor, zwischen diesen trutzigen Bergen, Gletschern, Steinen und taufrischen Wiesen, vermischt aber mit einem aufkommenden Glücksgefühl. Es ist Mittwoch, gestern arbeitete ich noch und jetzt hier, vor dem unbekannten Maighelspass. Ein bemalter Stein, der als Wegweiser „Maighels, Vermigel, Gadlimo“ herhalten musste, beendet mein Sinnieren. Ich bin nicht vor, sondern auf dem Maighelspass. Ein kleiner, glasklarer See mit munteren Grasfrosch-Quaulquappen liegt vor mir. Im Hintergrund trotzen die dunklen, schneegefleckten Berge vom Gotthardmassiv. Die Kette zwischen den zwei fast 3000ern Pizzo Centrale und dem Gemsstock, spiegeln sich märchenhaft d im See. Ein Platz zum rasten! Dieses High Light hat sich im mir eingeprägt, vielleicht auch wegen den vielen Fotos die ich schoss.

Meine Uhr zeigt viertel nach 8Uhr. Der knurrende Magen verlangt Nachschub. Darauf macht ich mich zur Abfahrt bereit, also Federung aktivieren und Sattel runter und Helm auf! Ich stellte mich auf ein ausgiebiges Schieben ein. Durch einen nach links abfallenden Hang zeigt sich jedoch ein wunderschöner Singletrail. Der Hang mündet in einen stattlichen tiefblauen und vermutlich tiefen See. Unterwegs stosse ich auf drei Wanderer, ein Mann und zwei Frauen. Wir tauschen unser „Woher und Wohin „ aus und sie bestaunen interessiert mein gefedertes Vehikel. Nach dem lebhaften Gespräch nehme ich die technisch anspruchsvolle Abfahrt unter die Räder. Unterwegs steht ein Esel mitten im Weg, beladen mit Plastikpfählen und elektrischen Bandrollen. Ich steige ab und umgehe ihn. Er bewegte sich nicht, er schaute mir auch nicht nach, wie wenn ein Velo auf diesem Wanderweg eine Selbstverständlichkeit wäre. Nach Schiebe- und doch überraschend vielen Fahranteilen erreiche ich die Alp Vermigel im Unteralptal. Um etwas zu trinken trample ich noch zu Vermigelhütte hinauf, eine einfache Hütte mit sonniger Terrasse.

Nach etwas Ruhe und ein paar Worten mit den 2 Gästen begebe ich mich auf die Schotterstrasse nach Andermatt. Wieder ein überwältigendes Gefühl durch diese Tal zu fahren, ein Tal mit einem wilden, blauen Bach zwischen hellen Granitsteinen, umsäumt von grünen Wiesen und hohen Bergen, den Wind um die Ohren und eine Staubwolke hinter mir her ziehend, ein Bikergenuss. Nach einigen kurzen Halten mit Sicht auf die Berge beidseitig der Schöllenenschlucht, die Oberalpstrasse, das Windkraftwerk auf Gütsch, die vorgelagerten, mit Gletscher verzierten Gipfel des Fleckistocks nähere ich mich Andermatt. Schade, Andermatt habe ich viel zu früh, etwas nach 11Uhr erreicht. Ein Grund war auch die heute nicht gefahrene Teil-Strecke Disentis-Tschamut.

Am Bahnhofschalter angekommen sind beide Billetschalter mit Kolonnen besetzt. In drei Minuten fährt ein Zug Richtung Disentis. Zügig begebe ich mich auf das Perron, schaue vor dem Einsteigen nochmals auf die Anzeige, …was Göschenen? Verdammt! Gegenüber schaut ein Lockführer aus der Lock. Ich rufe im zu: Wohin? Er: „nach Disentis!“ „Kann ich mitkommen“? Er, „ja, ich müsste jetzt abfahren, aber ich warte noch“. Hastig renne ich, das Bike tragend, Treppe runter, Treppe hoch, der schon informierte Zugführer packt mein Velo, ich steige ein und der Zug fährt ab. Nach diesem sprichwörtlichen Service löse ich schwitzend das Billett zum Oberalppass im Zug, was damals noch möglich war.

Mit dem Bike erreiche ich mein Auto in Tschamutt.
Etappe 10
Andermatt – Meiringen

Meine Tochter Karin hat sich wieder für eine Tour begeistern lassen. Darauf bin ich etwas Stolz. Wir übernachten in der Surselva und nehmen am 30.Mai 2011 den Zug auf den Oberalppass. Vom Pass starten wir vor 9Uhr nach Andermatt, dem offiziellen Ausgangspunkt der Tour. Ich war mir nicht so sicher, ob das eine gute Etappe werden würde. Den Sustenpass verbinde ich mit breiten Strassen und viel Auto- und Motorradverkehr, so ist er mir in Erinnerung. Am Beginn der Schöllenenschlucht war ich etwas über die Streckenführung enttäuscht. Ich wollte eigentlich die alte Strasse über die Teufelsbrücke fahren. Die „Bike Alpin1“führt aber über die Hauptsrasse. Nach Göschenen wird die Strecke interessanter. Über Schotterstrassen, Treppen und Singletrails erreichen wir Wassen, die Abzweigung ins Meiental. An einem sehr warmen Hang an praller Sonne wartet ein steiler Aufstieg auf uns. Schieben war für mich selbstverständlich. Wassen sah ich zum ersten Mal aus dieser Perspektive. Schon vor dem Kraftwerk schwingen wir uns wieder aufs Bike und fahren der wilden Meienreuss entlang, und plötzlich diese Überraschung. Auf einem Weg mit 2 Fahrrinnen mit Gras in der Mitte bewachsen, treffen wir zum ersten Weiler. Wie heissen sie alle: Husen, Dörfli, Meien, Fährnigen, alle gepflegt und idyllisch. Noch ist keine Alphaltstrasse in Sicht, sondern beste Bikewege, waren es Säumerwege? Vor uns blendet das schneebedeckte Wendenhorn, wie im Bilderbuch, ein Berg vor dem Titlis.

Durch mannigfaltige, beste Fahrwegtypen rollen wir weiter. Manchmal haben wir das Gefühl sie seien einmal für Biker angelegt worden und in der Zwischenzeit mehr oder weniger mit Gras überwachsen. Es ist Mai, blühende Wiesen säumen die „Bike-Alpin 1-Strecke“. Auffallende Schwefelanemonen dekorieren den Wegrand. Das Meiental ist wirklich eine Postkartenlandschaft, aber nur zu Fuss oder mit dem Mountainbike. Hinten im Tal, nach der Alp Susten, die dem Pass den Namen gegeben hat, wird die Steigung deutlich stärker. Für mich zu stark, ich schiebe. Karin fährt weiter, wird manchmal durch überhöhte Querrinnen gestoppt. Der Weg wird schmal, die Steigung unfahrbar. Den Hang nennt man „in den Wängen“. Mit sehr langsamen Schritten trage ich mein hoch geschätztes Bike den steilen Fussweg hinauf bis zum Schneefeld an der letzten Rechtskehre der Hauptstrasse. Kurzzeitig bin ich an meinen Grenzen! Die Schneefelder zwingen uns für die letzten zwei Kilometer die Hauptstrasse zu benützen. Auf der Passhöhe kehren wir ein.

Für die ersten 6 Kilometer der Abfahrt wird die Hauptstrasse benützt. Nachher aber, welche Freude, dürfen wir wieder auf ähnlich verwachsenen, aber festen, alten Schotterstrassen fahren. Wir sind im Gadmertal, die Strassen leiten uns meistens ausserhalb der Dörfer durch. Der Strassenluxus steigt jetzt kontinuierlich an, von tief mit Gras bewachsenen Waldwegen, zu mit „Rasen“ bewachsenen Schotterstrassen, zu groben Schotterstrasen, zu feinen Schotterstrassen und dann zu Asphaltwegen. Der Sustenpass ist beidseitig eine auffällige Ansammlung von verschiedensten Fahrwegtypen, wie sie selten zu finden sind. In Innertkirchen angekommen fahren wir links der Aareschlucht auf der Hauptstrasse nach Meiringen. Die geplante rechte Seite der Schlucht über den Bikeweg wäre besser gewesen. Von Meiringen reisen wir etwa um halb fünf mit der SBB zurück nach Buchs.

Bemerkung: Wer mit dem Auto über den Pass fährt, hat vieles ver-Pass-t.
Etappe 11
Meiringen–Grosse Scheidegg–Interlaken

Da die Anfahrt aus dem Rheintal, mit öffentlichen Verkehrsmittel, mindestens 4 Stunden dauert, beschliesse ich eine 2-Tagestour zu planen.

Bei der Hotelsuche stosse ich auf die Backpackers-Unterkunft „Downtown Lodge“, in Grindelwald. Sie ist von SchweizMobil empfohlen. Ich muss wissen, was das ist und melde uns an.

Walter, mein Namensvetter, zeigt sich zu meiner Freude bereit mitzumachen. Nachdem Walter in Grindelwald erst im fünften Laden eine Wasserflasche gefunden hat, treten wir am 27.6.2011 gegen 11Uhr in die Reception der Lodge. Die freundliche, junge Frau hat uns erwartet, klärt uns auf, über unser Zimmer und das Morgenessen. Sie knallt uns die Bettwäsche auf den Tisch und wünscht uns einen schönen Tag. Wir können uns ein Grinsen nicht verkneifen, klemmen die Bettwäsche unter den Arm und finden ein sauberes 4er-Zimmer mit 2 Kajütenbetten ganz für uns allein. Wir sind spät dran und lassen die Bettwäsche vorläufig liegen.

Diese Etappe fahren wir bei schönstem Wetter aber in Gegenrichtung. Der Anstieg über die markierte „Alpin Bike 1“-Strecke wird immer steiler. Zeitweise schiebe ich. Auf einer Strasse mit Asphalt, denke ich, das ist nicht möglich. Der durchtrainierte Walter fährt voraus. Um meinen Abstand etwas zu vertuschen, diskutiere ich mit einem Bauer über die Trockenheit. Verschnauft steige ich wieder aufs Bike und gleich wieder ab. Weit vorne sehe ich sogar Walter schieben. Mein GPS meldet 30% Steigung-Verrückt! Aber diese Aussicht, wir schieben unser Bike, neben uns die Felswand vom Wetterhorn, schon weiter entfernt ist die Eigernordwand. Über dem oberen Grindelwaldgletscher taucht zuerst das kleine, dann das 4078m hohe Schreckhorn auf. Ich staune und Walter, der Hochgebirgstouren liebt, ist begeistert. Da unten auf einer Wiese plätschert ein Brunnen. Ich rufe Walter zu und er versteht mich sofort. Klatschnass, verschwitzt kühle ich mich am Brunnen ab und trinke Wasser. Wir verpflegen uns und schwärmen von der gegenwärtigen Aussicht. Also, schieben wir weiter, an wohl riechenden Wiesen vorbei, mit weissen Margeriten, gelbem Wundklee, roten Nelken, blauen Witwenblumen, eine Pracht. All das lässt unsere Anstrengung zum Klacks dahinschwinden. Irgendwann erreichen wir die Strasse, auch Wanderweg genannt, der fast horizontal zur Grossen Scheidegg führt.

Nach einem Hock im Restaurant stechen wir ins Reichenbachtal, Richtung Meiringen. Die Vegetation hat sich schlagartig verändert, von den steinigen, mit Disteln verzierten Wiesen, dann im Gegensatz die andere Seite mit üppig wachsenden und mit kleinen Teichen gespickten Alpen. Rechts von uns drohen die etwa 30 bis 50 Meter hohen Abbruchwände vom Hengsteren-Gletscher. Auf der Asphaltstrasse halten wir immer wieder an und kehren in der Rosenlaui ein. Wir haben das Bike nicht nach dem Geschmack der Bedienung parkiert und müssen umparkieren. Walter ärgert sich, ich denke, vielleicht hat sie Recht, aber ich hätte einem Kunden nichts gesagt. Ab der Grossen Scheidegg bis Interlaken fahren wir nur auf Alphalt, eine Velotour. Das ist nicht abmindernd gemeint, denn das Reichenbachtal bis Meiringen ist wechselnd alpin, lieblich und wild, also sehr abwechslungsreich. Wir beschliessen über das Etappenziel Meiringen hinaus bis nach Interlaken zu fahren. Als besonderer Leckerbissen empfinden wir die Strecke, dem rechten Ufer vom Brienzersee folgend nach Interlaken, allerdings auf einer Autostrasse mit wenig Verkehr.

Mit der Bahn erreichen wir wieder Grindelwald, wo wir um etwa 6Uhr ankommen, uns duschen und ein feines Abendessen geniessen.
Etappe 12
Grindelwald–kleine Scheidegg–Interlaken

In der „Downtown Lodge“ haben wir geschlafen wie die Murmeltiere, kein Wunder nach dieser Etappe gestern. Um 7Uhr, am 28.6.2011 schiessen wir die ersten Fotos, darunter den, von der Sonne beleuchteten, Eiger vor blauem Himmel. Das üppige Frühstücksbuffet schmeckt uns.

Gegen 8Uhr starten wir in Richtung Kleine Scheidegg. Wieder auf kaum befahrenen Asphaltstrassen steigen (fahren) wir bei noch angenehmer, kühler Luft neben dem gelben Bähnchen den Hang hinauf. Die Wegweiser, ausgetrampelte Wanderwege, auftauchende, künstliche Monumente und Wirtschaften zeugen von einem starken Tourismus. Wegweiser bestätigen, wir sind auf der Route „Alpin Bike 1“. Wir treffen 3 junge Koreaner, die uns nach dem Weg auf den Männlichen fragen. So gut es geht weisen wir den Weg und deuten zur Bahn. Die Alphalt- mausert sich zur Schotterstrasse. Die grossen, etwa 100 Jahre alten Gebäude der kleinen Scheidegg rücken näher. Bei einer Pause lassen wir Eiger, Mönch und Jungfrau auf uns wirken. Sehr dekorativ präsentiert sich rechts davon das Silberhorn. Auf der schotterigen, steilen Strasse schiebe ich brav auch weil mir nichts anderes übrig bleibt. Ich schaue zu einer Kurve hinauf, Walter reisst die Hände hoch, er ist oben (fast). Ein Brunnen lädt zum kühlen ein. Ich werfe einen Blick zu der mächtigen Bergkette, da, die Sphinx, Top of Europe, das Jungfraujoch. In der Gartenwirtschaft der Kleinen Scheidegg genehmigen wir uns ein Getränk und geniessen das sprichwörtliche Panorama. Um halb 11 sind noch wenige Leute auf dem Platz, um halb12 „räblets“ nur noch so. Grosse Massen sind von beiden Seiten mit vielen Bahnen angekommen.

Wir entschliessen uns nach Wengen hinunter zu tauchen. Auf einer feinen, gepflegten Touristen-Schotterstrasse rollen wir gemächlich dem Bahntrasse entlang zu Wengernalp. Unterwegs treffen wir auf eine weiss gekleidete Nonne, ich halte an. Sie fragt mich, ob ich eine Bohrmaschine bei mir hätte. Ich wusste nicht so recht wie ich reagieren sollte und dachte, sie komme von einem anderen Planet. Freundlich lachend antworte ich: “Nein das brauchen wir Biker nicht“. Walter kommt dazu und sie redet weiter von einem Loch das sie in einen Stein bohren, und dann eine Tafel befestigen will. Mit Ihr zusammen schwärmen wir von Gottes schöner Natur, da schenkt sie uns eine fromme Broschüre. Hoffentlich sah sie unser Kopfschütteln bei der Weiterfahrt nach Wengen nicht. Walter macht mich auf die Skipiste und die entsprechenden Bauten aufmerksam. Da wäre ich achtlos vorbeigefahren! Nochmals ein Blick zurück zu den 3 Heiligen Eiger, Mönch und Jungfrau, dann gibt uns der Weg den Blick nach Mürren und das Schilthorn frei. Das Drehrestaurant ist deutlich zu sehen. Noch eine Kurve und Wengen ist in Sicht. In Wengen halten wir an einem Gartenrestaurant an und verwöhnen uns mit einer Glacé.

Nach dem Dorf wird’s interessant. Ein breiter Wanderweg mit vielen, steilen Serpentinen führt uns vor der Kulisse der Staubbachfälle nach Lauterbrunnen. Bei einem Abstecher unter die Fälle werden wir ein wenig nass, es ist warm und angenehm. Über gepflegte Radwege rollen wir anschliessend nach Interlaken.

Reich an Eindrücken nehmen wir um etwa halb vier die Bahn nach Buchs ins Rheintal.
Etappe 13
Interlaken–Suldtal–Kiental–Frutigen–Adelboden

Wieder plane ich eine 2-Tages-Etappe, immer mit SchweizMobil. Walter macht zu meiner Freude wieder mit. Für die Übernachtung reserviere ich das Hotel des Alpes, oberhalb Adelboden.

Am 5.Juli 2011 kommen wir, etwa um halb10, nach über 3Stunden bahnfahren von Buchs, in Interlaken an. Am linken Thunerseeufer entlang fahren wir Richtung Äschi, wie üblich bei schönem Wetter, eindrücklich, denn ein so schöner, blauer See fehlt uns im Rheintal. Wir zweigen links ab, die Strasse wird steiler und mündet später in einen mit Gras bewachsenen Wanderweg mit den ersten, steilen Abschnitten. Immer wieder halten wir an und geniessen die geniale Aussicht auf den blauen Thunersee mit den privilegierten Wohnlagen am Ufer.

Nach Äschi biegen wir ins Suldtal ein. Walter bemerkt: „noch nie gehört“. Fast zuhinterst im Tal, in Suld, treffen wir auf einen langen, Baumstamm-Brunnen. Walter weiss, ich muss mich abkühlen, er stoppt. Auf der gegenüberliegenden Talseite trampeln wir wieder zurück in Richtung Frutigtal, auf frischen ansteigenden Wiesenwegen, anstrengend, aber das ist biken! Auf offenem Wiesengelände geht’s weiter auf Wegen mit Grasbewuchs in der Mitte. Wir überholen eine sehr grosse Wandergruppe. Nach freundlichem Grüssen sind wir uns einig, wandern ist schön aber biken ist uns lieber. Darauf klemmen wir uns mit dem Bike zwischen zwei Pfählen durch, wieder auf einem grasigen und ansteigenden Singeltrail. Walter fährt, ich auch, schiebe aber bald. Wir verlassen das Suldtal. Auf einer Bergkuppe steigen wir vom Bike und geniessen nochmals den Blick auf den Thunersee und weit vorn auf Thun. Bald wechselt der Strassenbelag von Schotter auf Asphalt. Hoch über Reichenbach biegen wir ins Kiental ein.

Im Weiler Kiental, mit den braungebrannten Bauernhäusern, steuern wir direkt auf eine kleine Gartenwirtschaft zu und gönnen uns ein Getränk. Wir beide kannten bisher weder das Suldtal noch das Kiental. Jetzt können wir daheim davon reden, aber niemand weiss, von was wir reden. Es geht weiter über einen Bach, mit dem komischen Namen „Chiene“. Nach einem Aufstieg rollen wir über eine waldfreie Kuppe runter und verpassen vorerst die Abzweigung ins Tal. Frutigen ist in Sicht, wir fahren durch. Wir befinden uns endgültig im, für uns unbekannten, Enschligental. Vor uns die alte Adelbodenstrasse, sie steigt und steigt, steil habe ich das Gefühl aber ich habe noch Reserven, ich weiss, was mich noch erwartet, und Walter?

An gepflegten, mit Geranien geschmückten, Bauernhöfen vorbei wird es mit der Zeit etwas weniger steil, ja sogar flacher. Walter wartet rücksichtsvoll wieder an einem Baumstamm-Brunnen. Trinken, kühlen und verpflegen ist angesagt. Gestärkt rollen wir weiter, eine Ortstafel meldet Elsigbach. Nun steigt die alte Adelbodenstrasse wieder markant. Ich fahre hinten nach, unter der Elsigenalp-Bahn durch. Streng ist der Aufstieg. Zum Glück telefoniert meine Frau, eine Verschnaufpause tut mir gut. Weiter oben wartet mein Namensvetter geduldig. Auf Höchst, dem wirklich höchsten Punkt angelangt, treffen wir auf eine Verbotstafel. Wie wir von einer Bauernfrau erfahren, ist der Singletrail zur nächsten Strasse hinunter wegen Waldarbeiten gesperrt. Eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Es ist 5Uhr nachmittags und Feierabend für Waldarbeiter, wir fahren deshalb trotz Verbot. Zuerst geht es gut, aber bald versperren uns einige gefällte Fichten den Weg. Wir kriechen, das Bike hinter uns herziehend, unter den Fichten durch. Die paar Kratzer sind für Biker ja kein Problem. Wie wir erwartet haben, hat die kommende Strasse Gefälle, da unten ist ja Adelboden, bemerkt Walter. Ich merke es ist ihm noch nicht bewusst, dass wir wesentlich weiter hinauf müssen. Bald kommt ein Anstieg ins Bunderle, wieder ein kleines Quertal, hinein und hinaus, an Adelboden vorbei. Nach der Brücke über die Enschlige wartet mein Kumpan und macht mich auf den hohen Wasserfall hinten im Tal aufmerksam, er fragt: „und jetzt?“. Ich ziehe meine Schweizmobilkarte aus der Tasche und sage dort hinauf. Walter schaut mich ungläubig an, packt wortlos sein Bike und trampelt den steilen Weg hinauf. Hart ist der Pfad, denke ich und trample tapfer aber langsam hinten nach.

Nach etwa zwei Kilometern sehe ich unser Hotel, zu meinem Schreck auf der anderen Talseite. Wir tun so, wie wenn wir es gelassen nehmen würden und fahren weiter. Zum Glück gibt‘s die Eselmoosgasse, die uns auf die andere Talseite führt. Walter wartet und deutet auf das Schild. Ich verstehe und sage: „ Diese Gasse ist nur für Esel“. Wir lachen wieder, beide und rollen hinunter zum Hotel.

Beim vorzüglichen Abendessen sprechen wir von Fakten, fast 70 Kilometer und 2300m Aufstieg, natürlich unsere unfreiwilligen Umwege eingerechnet. Wir sind uns einig, diese Etappe war happig!
Etappe 14
Adelboden–Zweisimmen

Gut geschlafen und ausgeruht tun wir uns am üppigen Morgenbuffet gütlich. Es ist der 6.Juli 2011, ca halb 9Uhr. Wir starten wieder bei bestem Bike-Wetter beim Hotel „des Alpes“ auf 1431müM auf Gilbach oberhalb Adelboden. Nach der gestrigen, schweren Etappe rechnen wir mit einem gemütlicheren Tag. In einer Landschaft mit saftigen Alpweiden fahren wir ins Skigebiet Adelboden-Lenk. Die Luft ist frisch, es riecht nach Gras. Mauersegler, wegen ihrem Ruf auch Spire genannt, zeigen ihre Flugkünste über unseren Köpfen. Es ist still. Nichts ist lauter als wir schnaufenden Biker. Ein Gletscher vom 3244m hohen Wildstrubelmassiv glänzt auffällig im Morgenlicht. Wir erreichen den Hahnenmoospass in der kühlen Morgenluft, ohne nachhaltige Anstrengung. In der Gartenwirtschaft sitzend betrachten wir in südwestlicher Richtung das 3248m hohe, mit Gletschern bedeckte, Wildhorn. Die Aussicht vom Pass ist eindrücklich und für uns neu. Es ist bald 11Uhr, wir beschliessen, uns an die Abfahrt nach Lenk, ins Obersimmental, zu wagen. Eine tolle, schnelle Abfahrt über die Schotterstrasse, manchmal langsamer an Wanderern vorbei, lässt unsere Herzen höher schlagen. Ich bremse ab, tatsächlich ein ganzer Hang voll „Gelber Enzian“, Schnapsenzian nenne ich ihn. Eine fast ein Meter hohe Pflanze mit vielen gelben, in Rosetten angeordneten, Blüten. Genutzt werden die Wurzeln. Wer hat den Enzianschnaps erfunden, die Simmentaler? Das Angebot wäre vorhanden. Im Tal, zwischen grünen Matten, liegt Lenk. Ein Bus fährt vor uns, wir können nicht überholen, deshalb halten wir an. Auf der anderen Seite des Simmentales hat jemand unter dem Flöschhore ein riesiges Schweizerkreuz in den Hang gemäht, ein Patriot?

Nach Lenk führt ein eleganter Radweg der Simme entlang und am Flugplatz vorbei. Halt, interessant, da sehen wir einen offenen Hangar darin einen weissen Hunter, angeschrieben mit Fliegerstaffel 15. Die 2 Männer im beigen Übergewand und mit Fliegerabzeichen auf dem Ärmel, lassen sich nicht stören. Sonst ist auf diesem einsamen Flugplatz nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Ist die Schweizer Luftwaffe zu einem Hobby für Wenige mutiert? In Zweisimmen verlassen wir die Alpin Bike1- Strecke und fahren auf dem Radweg durch schattige Auenwälder und über Wiesenwege, der Simme entlang bis nach Spiez. Eine empfehlenswerte Verlängerung.

In Spiez verladen wir die Bikes selbstverständlich in den Zug und fahren mit vielen Eindrücken zurück ins Rheintal.
Etappe 15
Zweisimmen–Château d’Oex

Eine Etappe in höheren alpinen Regionen ist wegen den Schneeverhältnissen noch ungeeignet. Die westlichsten 2 Etappen der Alpin Bike1-Tour plane ich also mit einer Übernachtung in Château d’Oex im Hotel de Ville. Eine Begleitperson finde ich nicht.

Am 23. Mai früh am Morgen starte ich mit der Bahn in Buchs mit dem Ziel Zweisimmen. Im Berner Oberland reist man in modernen Zugkompositionen, solche sind im Rheintal, am Rande der Schweiz, nur dünn gesät. Nach 4 Stunden bahnfahren komme ich im Bahnhof Zweisimmen an, Das Bahnhofgebäude ist ein besonders kunstvoller Fachwerkbau, darauf ein kleiner Turm mit Uhr.

Im gepflegten Dorf poste ich noch ein Getränk und etwas Verpflegung, also los nach Château d’Oex. Vorbei am Bahnhof Schönried entdecke ich den modernen „GoldenPass panoramic“ und just daneben den antiken“GoldenPass Classic“ angeschrieben mit „Luzern-Interlaken-Montreux“, alles in goldener Schrift. Immer noch über Alphalt rollend erscheint Gstaad. Zum ersten Mal sehe ich Gstaad. Gepflegte Holzhäuser mit Satteldächern, breite, mit Steinen gepflasterte Trottoire, noch junge Schattenbäume, schmiedeiserne Strassenlampen und blumengeschmückte Tröge machen auf mich Eindruck. Die wenigen Leute sitzen auf Bänken und in Gartenwirtschaften. Ein Velofahrer schiebt sein Velo, muss ich absteigen? Langsam fahre ich weiter. Oben auf dem Hügel, alles überragend trutzt das „Gstaad Palace“, etwas für reiche Leute. Auf der Strasse vor mir fällt eine mit Blumen geschmückte Insel auf, darauf der Schweizmobil-InfoPoint und die Wegweiser nach Saanen. Velo und Bikewegweiser zeigen die gleiche Richtung. Vor Saanen fährt es mir durch den Kopf, da bin ich seit dem Start auf einer schönen Velotour nicht auf einer Biketour. Darnach geht’s aber bergauf. Die Strassen werden schmaler, der Verkehr verschwindet, dazwischen fahre ich einmal auf Schotterwegen. Die Landschaft wird bergiger, sie erinnert mich seit Beginn der Tour an das Toggenburg, das ich gut kenne. Auf der Anhöhe „La Pierraille“ auf 1209müM angekommen leiste ich mir eine ausgiebige und späte Mittagsrast.

Es ist halb 3Uhr, der Wegweiser nach Château d’Oex weist auf eine Wanderzeit von 2h10min hin. Die Zeit drängt nicht, ich bin allein und schlafe auf einer Bank fast ein. Während der Weiterfahrt fülle ich meine Wasserflasche an einem Baumstammbrunnen. Es riecht nach Wald und Blumen. Vor mir verschwindet eine Eidechse. Ich steige ab und mit langsamen Bewegungen und viel Geduld gelingt mit ein Foto. Sie ist etwa 30cm lang grau-beige gefleckt und seitlich von Kopf über die Vorderbeine bis zu den hinteren leuchtend hellgrün. Ein sehr schönes Tier. Auf einer Alp angekommen merke ich, dass ich falsch gefahren bin. Die SchweizMobil-Karte hilft mir weiter. Der Karte folgend finde ich einen kaum sichtbaren Wiesenweg, dann eine kleine Öffnung am Waldrand, blumig umrandet mit dem violetten Wiesenstorchenschnabel, roten Nelken und sogar Türkenbundlilien. Ich halte an und ziehe die Luft tief in mich ein. Etwas ungläubig tauche ich über den schmalen, verwachsenen Weg in den dunklen Wald, herrlich, „Wouw“, ein Singletrail von bester Qualität! Allein ertappe ich mich manchmal beim Selbstgespräch. Plötzlich wieder eine Waldwiese, es ist steil, ich schiebe. Nur wenig vor mir springt ein Fuchs über den Weg, ich reisse den Fotoapparat heraus, schon ist er verschwunden. An einem Baumstamm-Brunnen fülle ich meine Flasche. Diese Brunnen sind im Berner Oberland scheinbar Mode. Da stimmt was nicht, ich bin ja im Kanton Waadt. Ich fahre begeistert durch Wald und Wiesen über Singletails bis die Sicht aufs Tal frei wird. Da unten, das muss wohl Château d’Oex sein. Wieder ein „Wouw“, da riecht‘s nach Parfüm. Mit Narzissen übersäte Wiesen sind die Ursache. Ich liege verzückt in die Wiese und platziere meine Kamera mit Selbstauslöser. Walter lass dir Zeit in diesem Paradies!

Nach einer ausgiebigen Rast entscheide ich mich, die Abfahrt unter die Räder zu nehmen. Und was für eine Abfahrt. Über kaum sichtbare, blühende Wiesenwege, verbunden mit Querstrassen, nähere ich mich dem Dorf. Nach vielen Kilometern auf Asphalt bietet diese Etappe dann doch noch phantastische Singletrails. Das Hotel de Ville finde ich sofort und checke mich ein.
Etappe 16
Château d‘Oex–Aigle

Gestern hat mir im Hotel eine freundliche Frau, vielleicht die Chefin, klar gemacht, dass morgens um 6Uhr kein Frühstück bereit stehen werde. Hilfsbereit zeigte sie mir, wie die Kaffeemaschine zu bedienen ist und in welchem Schrank ich die Früchte, das Knäckebrot und vieles andere finde. Am Morgen stelle ich fest, jemand die Schränke verschlossen.

Nur mit einem schwarzen Kaffee im Magen mache ich mich am 24.Mai 2011 auf den Weg nach Aigle. Noch im Morgenschatten und später an der schwachen Morgensonne geht’s über die Saane, hier eben noch „La Sarine“, bald bergauf. In der Schlucht „le Pissot“ fällt mir der rote Kalkfels auf, der in einem subtropischen Meer in geringer Tiefe entstanden sein muss. Auf der anderen Seite der Schlucht ist auffallend die Hauptstrasse wie in den Fels geklebt. Bald erreiche ich eine Alp und anschliessend auf einem Plateau, ein prächtiges Hochmoor. Aber ich bin falsch gefahren und muss zurück, meine Sicht auf die Natur ist aufmerksamer als jene auf die Wegweiser. Weiter oben präsentieren sich farbig blühende Wiesen, wieder mit Narzissen. Nach der Alp „Fenil aux Veaux“ ist der Weg in der taunassen Wiese nicht mehr sichtbar. Die Wanderwegweiser und die SchweizMobil-Karte helfen mir weiter. Meine Kraft lässt nach, ausser Kaffee und Wasser habe ich noch nichts zu mir genommen. Unterwegs fällt mir der rote Schotter auf, Schotter aus dem roten Fels. Kurz darauf, auf der Alp „Les Mossettes“ steige ich ab, denn etwa zwanzig weiss-schwarz gefleckte Rinder kommen auf mich zu. Sie kommen vorsichtig näher, schnuppern an meinem Bike. Ich lasse sie eine Weile gewähren, bevor ich mich zum Gatter begebe und ihn hinter mir schliesse. Die Rinder ziehen hinter mir her, am geschlossenen Gatter, stellen sie sich in Reih und Glied auf und drücken fast die Nase flach. Was sie wohl denken? Weit vorn blicke ich zurück, sie schauen immer noch wie ausgestopft zu mir.

Vor mir breitet sich der „Lac de l’Hongrin“ mit seinen auf alle Seiten gerichteten Armen aus. Eine Landschaft mit dem blauen Stausee auf 1255 müM, seinen weissen Schotterufern, den grünen Weiden und ohne Weiler und Dörfer liegt vor mir. Zusätzliche Abwechslung bringt eine Abfahrt über Wiesenwege. Vor der Mündung in eine Querstrasse fahre ich fast in eine Weg-Sperre mit einem Stacheldraht. Ich denke, bei uns in der Ostschweiz wäre das nicht möglich, auf einer nationalen Tour schon gar nicht. Ich habe Hunger, fühle mich schwach und mag fast nicht mehr trampeln. Vor einer lieblichen Alpweide mit entsprechendem Singletrail probiere ich mich durch ein Wanderkreuz zu zwängen, keine Chance! Ich schwinge mein Bike über den 3-fach mit Stacheldraht bespannen, hohen Zaun und schaue, dass mein Bike nicht gegen den Stacheldraht, sondern in Richtung Weide fällt. Das ist schon mehrfach vorgekommen.

Endlich bin ich auf dem Col des Mosses. In einem kleinen Laden besorge ich mir etwas zum Essen und Trinken. Noch vor dem Laden schlumpfe ich einiges in mich hinein. Wieder geht’s bergauf, es geht mir besser. Noch nicht weit gefahren traue ich meinen Augen nicht. Scharfes Bremsen verhindert mir garantiert zwei platte Reifen, hinten und vorn. Auf dem schmalen Wiesenwanderweg liegen 2 Stacheldrähte, nicht quer, sondern längs und mitten auf der Fahrspur und das auf der „Schweizmobil Alpin Bike1“-Strecke. Ich glaube diese Bauern mögen die Biker nicht. Ein Foto hält das Unglaubliche fest. Das bisschen Zorn ist bald verflogen. Hoch über Leysin, vor einem Stacheldrahtzaun stehend, schaue ich schon ins Wallis. Eine prächtige Aussicht! Auf der gegenüberliegenden Seite erblicke ich die schneebedeckten, über dreitausend Meter hohen „Dents du Midi“. Nach Leysin steigt der Pfad nochmals ein wenig an, es lohnt sich. Durch Forstwege und Singletrails im Wald entfliehe ich dem Stacheldrahtland. Über sichere Alphaltwege rausche ich in die noch wenig belaubten Rebberge von Yvorne und anschliessend durch jene von Aigle. Bei diesen Namen läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

Auf der mehr als 4-stündigen Zugfahrt nach Buchs im Rheintal lasse ich nochmals die westlichsten 2 Biketouren vor meinen Augen passieren. Sie sind fester Bestandteil des fantastischen „Alpin Bike1-Erlebnis“ und habe sie, trotz Stacheldraht, in guter Erinnerung.
Fakten

Biker stellen verschiedene Ansprüche an die Wegbeschaffenheit. Wer Singletrails und Schotterstrassen liebt, kommt östlich vom Gotthard auf seine Rechnung, geteerte Strassen sind westlich davon vorherrschend.

Dieser Reisebericht liegt an:

Alpine Bike route-01
Alpine Bike
Scuol–Aigle
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